Text Quelle : vom Medium Peter Bernath persönlich zum Mitveröffentlichung autorisiert.

*************************

Vierter Teil : 9.2 (2)

Gott ist aus sich ewig, allmächtig und allwissend.

Der Sohn nicht.

Der Vater hat dem Sohne die Statthalterschaft über die Schöpfung übertragen und ihn vor allem zu der Aufgabe der Erlösung gesalbt. Aber aus sich hat der Sohn nichts, weder das Dasein noch sein Amt als Statthalter noch irgendeine Kraft. Alles hat ihm der Vater gegeben.

Ist der Sohn im Himmel auch in gottähnliche Gewänder gekleidet und tritt er auch mit göttlichen Machtbefugnissen auf, so ist er doch ebensowenig Gott wie Josef der Pharao war.

Diese Wahrheit ist in den Heiligen Schriften so klar enthalten, daß man sich darüber wundern muß, wie Menschen dazu kommen konnten, Christus zum ‚Gott‘ zu machen, während der Vater und Gebieter alles Geschaffenen feierlich schwört: ‚Ich allein bin Gott und sonst keiner.‘

Die christlichen Religionen, die Christus als Gott bekennen und ihn dem Vater in allem gleichstellen, wagen selbst nicht zu behaupten, daß Christus gesagt habe, er sei ‚Gott‘. Aber sie folgern es zunächst daraus, daß er sich ‚Sohn Gottes‘ nannte. Sie urteilen, wie die Hohen Priester, Schriftgelehrten und Pharisäer geurteilt haben, von denen es in der Bibel heißt:

Johannes 5, 18: ‚Sie trachteten ihm um so mehr nach dem Leben, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch in einem einzigartigen Sinne Gott seinen Vater nannte und sich damit Gott gleichstellte.‘

Gegen den Vorwurf, daß er in einem einzigartigen Sinne Gott seinen Vater nannte, wehrte sich Christus nicht. Denn er war in einem Sinne ein ‚Sohn Gottes‘ wie kein anderer der ‚Gottessöhne‘ oder der Geister Gottes. Er war nicht bloß der höchste der von Gott geschaffenen Geister, sondern auch der einzige Geist, der auch seinem himmlischen Leibe nach von Gott ins Dasein gerufen worden ist. Die anderen Söhne Gottes hatten bloß ihrem Geiste nach von Gott ihr Dasein erhalten, während ihre himmlischen Leiber dem erstgeschaffenen Sohne ihr Entstehen verdankten.

Christus war also nicht bloß der ‚Erstgeborene‘ Gottes, sondern auch der einzige, der nach seinem ganzen Sein eine direkte Schöpfung Gottes war. Er war der einzige in seiner Art. Er war der ‚Eingeborene‘ des Vaters.

Auch noch aus einem anderen Grunde war er in einzigartigem Sinne der Sohn Gottes. Ihm allein hatte der Vater die Statthalterschaft über die Schöpfung übertragen. Er hatte ihm dieselbe Stellung in seinem Reiche eingeräumt, die der Pharao dem ägyptischen Josef im Reiche Ägypten verliehen hatte.

Also darin hatten die Juden Recht: Christus nannte sich in einer besonderen Bedeutung einen Sohn Gottes. Er war der Sohn Gottes!

Aber wogegen sich Christus bis aufs äußerste wehrte, war die Behauptung seiner jüdischen Feinde, er stelle sich Gott gleich. Er beteuerte immer wieder, daß er keinerlei Macht von sich selbst habe und aus sich selbst nicht das Geringste tun könne. Wenn einer aus sich selbst nichts kann, dann ist damit der unwiderlegliche Beweis erbracht, daß er nicht Gott sein kann. Soviel folgerichtiges Denken mußten auch die Hohen Priester und Schriftgelehrten besitzen. Und sie begriffen es auch sehr gut, was Jesus unter ‚Sohn Gottes‘ verstand. Aber nach außen wollten sie es nicht verstehen. Sie suchten ja eine Grund, ihn zu töten. Und da konnten sie keinen besseren finden, als wenn sie behaupteten, Christus mache sich zum Gott, indem er sich Sohn Gottes nenne. Diesen Scheingrund durften sie um keinen Preis mehr aus der Hand geben. Darum war auch jede Belehrung von seiten Christi zwecklos.

Es ist wahr, Christus hatte alle Macht im Himmel und auf Erden. Aber er hatte sie ebensowenig von sich selbst, wie der ägyptische Josef alle Macht über Ägypten aus sich hatte. Wie Josef nicht der Pharao war, so war Christus nicht Gott.

Nur der Vater ist Gott und sonst keiner. Der Vater hat alle Macht und sonst niemand. Der Vater kann diese Macht nach seinem Gutdünken auf irgendeinen geschaffenen Geist übertragen, indem er in diesem und durch diesen wirkt. Gott hätte daher die Macht, die er Christus verlieh, einem anderen geschaffenen Geiste geben können. Es mußte nicht sein erstgeborener Sohn sein. Und die großen Wunder, die Christus wirkte, konnte auch jeder andere Mensch wirken, wenn ihm Gott die Kraft dazu gab. Christus sagt ja selbst, daß nicht bloß er das alles wirken könne, sondern auch jeder andere, sobald er gläubig werde.

Johannes 14, 12: ‚Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich tue, auch tun, ja er wird noch größere als diese vollbringen.‘

An Christus glauben heißt an Gott Glauben, aber nicht etwa, weil Christus selbst Gott ist, sondern weil er die Lehre Gottes verkündet.

Johannes 12, 49: ‚Ich habe nicht von mir aus geredet, sondern der Vater selbst, der mich gesandt hat, der hat mir aufgetragen, was ich sagen und was ich lehren soll.‘

Zwischen dem Vater und Christus herrscht die große Einheit der Liebe. Jedes Geschöpf Gottes kann zu dieser Einheit mit dem Vater gelangen. Sie erbittet ja Christus von Gott auch für seine Jünger.

Johannes 17, 22 – 23: ‚Sie sollen eins sein, wie wir eins sind: ich in ihnen und du in mir, auf daß sie voll ausgestaltet werden zu einer Einheit mit uns.‘

Du siehst, wie töricht es ist, wenn deine bisherige Kirche zum Beweis für die Gottheit Christi sich auf den Satz beruft: ‚Ich und der Vater sind eins‘, wo doch dieselbe Einheit, die der Sohn mit dem Vater hat, auch den Gläubigen zuteil werden soll.

Wenn du dir die Aussprüche Christi zusammenstellst, in denen er sein Verhältnis zu seinem Vater darlegt, so wirst du erkennen, wie frevelhaft es ist, Christus als Gott zu bezeichnen, ihn als den Gebenden hinzustellen, wo er bloß der Empfangende ist und anderen bloß das geben kann, was er selbst von Gott erhalten hat. –

Die große Gotteslästerung, welche die Juden Christus vorwarfen, indem sie fälschlich behaupteten, er mache sich Gott gleich, begehen heute diejenigen, die Christus zum Gott machen, während Christus selbst die Gottgleichheit so weit von sich wies.

Die Lehre Christi über seine eigene Person, über den Ursprung seiner Lehre und die Macht und Kraft, die er besitzt, war also die, daß er alles und jedes vom Vater erhalten hat. Aus sich hat er nichts. Er ist nicht Gott.

Nicht alles hat ihm der Vater übertragen. Gewisse Dinge hat der Vater sich selbst vorbehalten. Zu den Söhnen des Zebedäus sagte Christus:

Matthäus 20, 23: ‚Den Platz zu meiner Rechten und Linken habe nicht ich zu vergeben, sondern er wird denen zuteil, für die er von meinem Vater bestimmt ist.‘

Auch den Tag des allgemeinen Gerichtes weiß der Sohn nicht, sondern nur der Vater.

Matthäus 24, 36: ‚Von jenem Tage aber und von der Stunde hat niemand Kenntnis, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern ganz allein mein Vater.‘

Christus hatte von Gott auch nicht die Erlaubnis bekommen, die Marter des Kreuzestodes von sich abzuwenden. Darum wurde er im Garten Gethsemane nicht erhört, als er den Vater bat, diesen Leidenskelch an ihm vorübergehen zu lassen.

Sowohl die Angehörigen Jesu als auch die Apostel und das gläubige Volk erkannten in ihm bloß den ‚Propheten‘ – den ‚Gottesgesandten‘. Daß einer der ‚Söhne Gottes‘ in ihm Mensch geworden war, wußte wohl seine Mutter aus der Verkündigung des Engels vor seiner Geburt. Aber sie wußte auch, daß er ein Mensch war mit menschlichen Schwächen. Sie war mit der Art seines öffentlichen Auftretens und seiner Lehrverkündigung nicht einverstanden. Sie wußte wohl, daß seine Glaubensüberzeugung von der Lehre der jüdischen Religion wesentlich abwich. Aber daß er das alles jetzt dem Volke öffentlich predigte, das drückte sie schwer. Sie hatte sich seine Aufgabe ganz anders gedacht. Und als sie hörte, daß Jesus in seinen Predigten so scharfe Worte gegen die geistlichen Führer des jüdischen Volkes gebrauchte und so manches in ihrer althergebrachten Religion in der Öffentlichkeit als unrichtig bezeichnete, da suchte sie das im Verein mit ihren anderen Söhnen zu verhindern. Sie wollte ihn zur Rückkehr in sein Elternhaus zwingen. Dadurch glaubte sie den Anstoß beseitigen zu können, den sein Vorgehen bei den Priestern, Schriftgelehrten und Pharisäern erregt hatte.

Markus 3, 21: ‚Als seine Angehörigen es hörten, machten sie sich auf, um sich seiner zu bemächtigen. Denn sie sagten, er sei von Sinnen gekommen.‘

Johannes 7, 5: ‚Denn nicht einmal seine Brüder glaubten an ihn.‘

Daß seine Mutter und seine Brüder diese Einstellung gegenüber seinem öffentlichen Auftreten hatten, ist menschlich verständlich. Sie hielten die Lehre der jüdischen Kirche für die richtige. Darin waren sie von Jugend auf erzogen. Ihre Vorfahren hatten in dieser Religion gelebt und waren darin gestorben. Und nun sollte der eigene Sohn und Bruder öffentlich predigen, daß diese Religion in vielen Punkten im Irrtum sei. Das war für diese einfachen, unerfahrenen Leute unerträglich. Das, was ihre Geistlichkeit ihnen sagte, war für sie maßgebend. Doch war auch Menschenfurcht dabei im Spiele. Man zeigte mit Fingern auf sie als die Angehörigen eines Mannes, der die Religion seiner Väter angriff. Von dem Synagogenvorsteher ihres Ortes mußten sie oft Vorhaltungen deswegen über sich ergehen lassen. Auch eine geschäftliche Schädigung mußten sie befürchten. Besonders hart aber traf sie die Nachricht, daß die oberste Kirchenleitung Jesu in den Bann getan hätte und alle, die ihm anhingen und als den Messias bekannten, ebenfalls mit dem Banne bedrohten.

Johannes 9, 22: ‚Sie hatten schon abgemacht, daß der, welcher Jesus als den Messias bekenne, in den Bann getan würde.‘

Die jüdische Geistlichkeit warnte das Volk vor Jesus und seiner Lehre. Reichlichen Gebrauch machte sie von der Waffe der Verleumdung. Sie nannte ihn einen ‚falschen Propheten‘, einen ‚vom Teufel Besessenen‘, einen ‚Volksaufwiegler‘, einen ‚Weinsäufer‘ und ’sittlich Verkommenen‘, der sich mit Dirnen abgebe und bei den öffentlichen Sündern zu Gast sei. Kein Mittel war ihr zu schlecht, um denjenigen unschädlich zu machen, von dem sie ihren Einfluß auf das Volk bedroht sah. Sie konnte nicht dulden, daß die große Masse des Volkes etwas anderes als religiöse Wahrheit annahm, als was sie selbst vortrug. Ihr hatte sich das Volk zu fügen. Was sie nicht glaubte, durfte auch das Volk nicht glauben, oder der Fluch traf es.

Johannes 7, 48: ‚Ist denn irgendein Mitglied des Hohen Rates oder ein Pharisäer zum Glauben an ihn gekommen? Nein, nur dies gemeine Volk, das vom Gesetz nichts weiß – verflucht sei es!‘

Es ist das alte Lied, das die Geistlichkeit aller Religionen stets anzustimmen pflegt, wenn sie ihren Einfluß auf das Volk durch irgendeinen Wahrheitskünder bedroht sieht.

Auch du wirst diese Melodie noch reichlicher kennenlernen wie bisher, sobald du die Wahrheiten veröffentlicht hast, die du von mir empfingst. Da wirst du sehen, daß sich das alles wiederholt, was sich damals abspielte. Denn der Knecht ist ja nicht über dem Meister. Man wird dich einenabgefallenen Priester, einen falschen Propheten, einen Irrsinnigen, einen vom Teufel Besessenen, einen verkommenen Menschen nennen. Auch deine Angehörigen werden dir Vorwürfe machen. Sie werden dir sagen, du hättest alles beim alten lassen sollen, und was anderen Geistlichen gut genug war, hätte auch dir genügen können. Doch fürchte dich nicht! Hoffe auf Gott! Was können dir die Menschen tun? Aber auch vielen wirst du durch Vermittlung der Wahrheit die größte Wohltat erweisen. Auch manche Geistliche, die dein Buch lesen, werden zu der Überzeugung kommen, daß es die Wahrheit enthält, wenn sie es auch nicht offen einzugestehen wagen. So war es auch zur Zeit Christi.

Johannes 12, 42 – 43: ‚Es glaubten sogar von den Mitgliedern des Hohen Rates viele an ihn, wagten aber um der Pharisäer willen nicht, es offen zu bekennen, um nicht in den Bann getan zu werden. Denn an der Ehre bei den Menschen lag ihnen mehr als an der Ehre bei Gott.‘

Auch die Apostel wurden mehr als einmal irre an ihrem Meister. Auch sie hatten sich den Messias anders gedacht. Daß in Jesus von Nazareth der ‚Sohn Gottes‘ zur Erde gekommen sei, wußten auch sie nicht, bis es ihnen eines Tages durch das Bekenntnis des Petrus zum Bewußtsein kam:

Matthäus 16, 16: ‚Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.‘

Diese Überzeugung hatte jedoch Petrus nicht aus den Worten und Taten Christi noch aus dem eigenen Denken heraus gewonnen. Sie war ihm durch eine Offenbarung Gottes eingegeben worden:

Matthäus 16, 17: ‚Nicht Fleisch und Blut hat dir das geoffenbart, sondern mein himmlischer Vater.‘


weiter bei: 9.3 Die Verbindung Christi mit der Geisterwelt