Quelle : vom Medium Peter Bernath persönlich zum Mitveröffentlichung autorisiert

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 Dritter Teil – 5

Der Geisterverkehr im nachapostolischen Zeitalter und in der jetzigen Zeit

 5.1 Vorbemerkung von Pfarrer Johannes Greber

Nachdem mir die im zweiten Teil dieses Buches niedergelegten Belehrungen über die Gesetze des Geisterverkehrs sowie über die Geisterkundgebungen in der Bibel erteilt worden waren, blieb es mir überlassen, den sonstigen Geisterverkehr in der Geschichte der Menschheit selbst zu studierenund mit dem zu vergleichen, was ich durch die Geisterwelt erfahren hatte.

Es wurde mir nahegelegt, vor allem das zu prüfen, was in den heutigen spiritistischen und spiritualistischen Sitzungen vor sich geht und was die heutige Wissenschaft über „Medien“ und ihre Kundgebungen berichtet.

Gern hätte ich auch aus der Vergangenheit die Berichte der alten Schriftsteller, sowohl der heidnischen als auch der christlichen, einer Prüfung unterzogen, soweit sie etwas über einen Verkehr mit der Geisterwelt enthielten. Dazu hätte ich die Werke der alten griechischen und römischen Philosophen, Dichter und Geschichtsschreiber studieren müssen. Ich hätte alle Werke der Kirchenväter und kirchlichen Schriftsteller der nachapostolischen Zeit bis tief ins Mittelalter hinein und die Werke der Mystiker durcharbeiten müssen. Auch die zahllosen Berichte über das Leben und Wirken der katholischen Heiligen konnte ich dabei nicht außer acht lassen, wenn meine Arbeit Anspruch auf Vollständigkeit machen wollte. Ferner hätte ich dann das unübersehbare Material sichten müssen, das der heutige „Okkultismus“ in Büchern und Zeitschriften niedergelegt hat.

Auf den ersten Blick mußte ich einsehen, daß eine solche Arbeit ein ganzes Menschenleben beansprucht hätte.

So entschloß ich mich denn, nur drei Kapitel als Ergänzung diesem Buche beizufügen.

In ihnen wollte ich von mir aus in kurzen Zusammenstellungen zeigen, daß der Geisterverkehr in der nachapostolischen Zeit eine allgemein bekannte und anerkannte Tatsache war und daß er sich auch in der jetzigen Zeit vollzieht, wenn er auch von der heutigen Menschheit noch nicht anerkannt wird, und zwar nach denselben Gesetzen sich vollzieht, die in diesem Buche geschildert sind und in allen Zeiten dieselben waren und für alle Zukunft dieselben bleiben werden.

So entstanden die folgenden Kapitel:

Der Geisterverkehr in der nachapostolischen Zeit.

Die Wirkungen der Geister in dem Leben eines evangelischen und eines katholischen Pfarrers im 19. Jahrhundert.

5.2(1)

“ Kommt einmal etwas vor, von dem man sagen möchte: „Siehe, das ist etwas Neues“, so ist es doch längst dagewesen in den Zeiträumen, die hinter uns liegen.“  Prediger 1, 10

Zwischen der Welt des Heidentums, in die das Christentum eintrat, und dem Christentum entspann sich ein gewaltiger Kampf. Bei diesem Kämpfe auf Leben und Tod war es die allgemeine Überzeugung der Christen der Nachapostolischen Zeit, daß die bösen Geister Mächte die wirklichen Beherrscher des ganzen Heidentums waren und daß die weltlichen Machthaber und ihre Untertanen nur die menschlichen Werkzeuge jener bösen Mächte bildeten. Die Hölle sah ihre bisherige Herrschaft über die Menschheit durch die Geisterwelt des Guten bedroht, die sich im Christentum kundgab.

Hier gab es einen Kampf mit einem höheren Herrn als dem Kaiser in Rom, mit stärkeren Gewalten als seinen Statthaltern und Beamten. Die Macht dieser Gewalten war schon da, als noch kein Römisches Reich existierte. Sie erstreckte sich auch in die dunklen Provinzen des Reiches, wo römische Verwaltung nur zum Schein bestand. Sie reichte hinein in die Menschenherzen und ihre Gedanken, die keiner Verwaltung unterstehen.

Weinel S. 2 u 3: „Das Leben des Staates wie der Einzelnen war voll von Beziehungen zu dieser jenseitigen Welt der Geister, welche die Heiden Götter, Heroen oder Dämonen nannten. Das Leben des Staates spielte sich unter ihrem Schutze ab. Ein großer Teil öffentlichen gemeinsamen Handelns mit Opfern und Festen galt ihrer Verehrung.“

Wenn die Götzenbilder auch äußerlich tot waren, so war man überzeugt, daß hinter jenen Statuen von Stein und Holz wirkliche Geistwesen lebten, die sich kundgaben. Von ihnen sagte der Christ undMärtyrer Justin:

„Jene Bilder tragen Gestalt und Namen der erschienenen schlechten Dämonen.“

Diesen Dämonen galt die Verehrung der Heiden.

Justin 1.5, 2: „In alten Zeiten sind die Dämonen (in menschlichen Medien) erschienen und haben mit Frauen Ehebruch getrieben und Knaben geschändet und den Menschen Schreckbilder gezeigt, so daß diejenigen erschraken, welche diese Vorgänge nicht verstanden; sie nannten sie Götter und gaben ihnen den Namen, den sich ein jeder Dämon beilegte. Sie taten es von der Furcht getrieben, weil sie nicht wußten, daß es böse Dämonen waren.“

Aber nicht bloß in der Vergangenheit waren die bösen Geister wirksam, sondern die Christen der ersten Jahrhunderte sahen täglich die Kundgebungen dieser Geister mit eigenen Augen.

Da waren zunächst mancherlei Krankheiten, bei denen ein anderer Geist als der des Kranken aus den Leidenden sprach und handelte. Der Wahnsinnige hatte einen Dämonen in sich. Der Hysterische und Epileptische war besessen. Das war allgemeiner Volksglaube bei Juden, Heiden und Christen.

Diese unsichtbaren Geistwesen sprachen auch aus menschlichen Medien. Der Christ Tatian schildert ein weibliches Medium des Apollo mit folgenden Worten:

19. p. 86: „Nachdem sie Wasser getrunken hat, gerät sie in Raserei, und durch Weihrauch kommt sie von Sinnen, und du meinst, sie sage wahr.“

Das Rasen ist stets ein Zeichen, daß ein niederes Geistwesen von einem Medium Besitz ergriffen hat. Die hohen Geister geben sich kund unter den Zeichen der Ruhe und des Friedens.

Das Rasen der Baalpriester nach den Berichten der Bibel, die rasenden Bewegungen der Bacchantinnen bei den Götzenfesten der Römer und Griechen, die tanzenden Derwische unserer Zeit sowie die große Zahl ähnlicher Erscheinungen bei den heutigen Medien sind auf die Einwirkung böser Geistwesen zurückzuführen.

Jene Geistwesen konnten auch von den Hellsehern der damaligen Zeiten geschaut werden. Menschen, welche die Gabe des Hellsehens oder andere mediale Fähigkeiten besaßen, durch die sie mit der Geisterwelt in Verbindung treten konnten, nannte man damals „Pneumatiker„. Dieses Wort ist abgeleitet von dem griechischen Wort „Pneuma„, das „Geist“ bedeutet. In der heutigen Zeit, die nichts mehr von den Gesetzen des Geisterverkehrs kennt, deutet man das Wort „Pneumatiker“ als „Geistbegabten“ und erweckt dadurch die Meinung, als sei der eigene Geist jener Menschen die Ursache wunderbarer Wirkungen. In Wirklichkeit waren jedoch die „Pneumatiker“ entweder vollständige Medien oder Menschen mit einer medialen Veranlagung oder solche, die mit der Gabe des Hellsehens und Hellhörens ausgestattet waren. Also, nicht bloß jene waren „Pneumatiker“, die mit der guten Geisterwelt Berührung hatten, sondern auch diejenigen, welche mit den bösen Geistwesen in Verbindung standen. Die Gesetze, nach denen sich diese Verbindung vollzog, waren ja in beiden Fällen dieselben.

Or. 15 p. 70: „Die Dämonen werden auch den Menschen sichtbar, indem sie sich ihnen zeigen, damit man glauben soll, sie seien etwas Rechtes“. – „Leicht und oft werden ihre luft- und feuerartigen Körper allerdings nur von den ‚Pneumatikern‘ gesehen; aber die Tatsache, daß man sie sieht, und häufig sieht, steht fest“, sagt Tatian.“

Die hier erwähnten luftartigen und feuerartigen Körper der Dämonen sind die Odkörper. Alle Geister besitzen sie. Nur ist ihr Aussehen bei den einzelnen Geistwesen verschieden, je nach der Sphäre, in der sich der Geist befindet.

Auch redeten die Götzenbilder selbst und wirkten Wunder. Das konnten auch die Christen nicht leugnen, da diese Tatsache allgemein bekannt war. Gerade hieraus leiteten die Heiden ihre Überzeugung ab, daß die Götzen, die sie verehrten, lebendige Geistwesen waren, die über eine große Kraft verfügten. Sie sagen:

„Aus welchem Grunde vollbringen einige Bilder Wunderwirkungen, wenn es nicht Götter sind, für die wir Bildsäulen errichten? Es ist doch nicht wahrscheinlich, daß die leblosen unbeweglichen Bilder selbst Kraft entwickeln können, ohne daß sie einer bewegt?“

Der Christ Athenagoras entgegnet:

Athenagoras leg. 23 p. 116: „Daß in einzelnen Plätzen und Städten und Völkern im Namen der Bilder Wunderwirkungen geschehen, leugnen auch wir Christen nicht. Nur halten wir sie nicht für Götter“.

Von einer Bildsäule eines gewissen Neryllinus in Troas erzählt er:

„Man glaubt, daß sie wahrsage und Kranke heile. Die Einwohner von Troas opfern ihr daher und schmücken sie mit Gold und bekränzen sie. Ebenso soll in Parion von den Bildsäulen des Alexander und des Proteus die eine weissagen; der anderen aber, der des Alexander, feiert man auf Staatskosten Opfer und Feste wie einem Gott, der erhören kann.“

Athenagoras leugnet diese Wirkungen nicht. Nur sagt er, daß diejenigen, die sie vollbringen, böse Geister seien.

Weinel, S. 12: „So erlebte und erfuhr man die Wirkungen und in ihnen den Beweis für die Existenz einer geheimnisvollen Welt geistiger Wesen hinter den Dingen dieser Welt – geistiger Wesen, die mächtiger, wissender, aber auch ruchloser waren als die Menschen. Hinter und über dem Römischen Reich erhob sich das Reich dessen, welcher der wahre Herr der Welt war, der Zeus, der Teufel. Und gerade in diesem Römerreich, dessen führende Kreise dem Christentum so heftigen Widerstand entgegensetzten, schien jenes Geisterreich sich sein mächtigstes Bollwerk geschaffen zu haben.“

Mit Entsetzen erfuhren die Christen am eigenen Leibe die Wirkung des unsichtbaren Machthabers der Welt und seiner Werkzeuge.

Und was war der Zweck des Teufels und seiner Dämonen mit all seinem Anstürmen gegen die Christen? Er wollte sie fortlocken von Gott in den Irrtum der Vielgötterei. Er wollte sie fortschleudern von ihrem geistigen Leben und in den geistigen Tod stürzen.

Justin 1, 58: „Denn nichts anderes erstreben die sogenannten Dämonen, als die Menschen wegzuführen von ihrem Gott und Schöpfer und seinem Erstgeborenen, dem Christus. Und die, welche sich über das Irdische nicht zu erheben vermochten, haben sie an irdische, von Menschen gemachte Dinge gebunden (Bildsäulen) und tun es noch.“

Justin 1, 56: „Die Dämonen haben dies dadurch erreicht, daß sie durch Erfindung von Mythen und Mysterien den Heilsplan Gottes mit der Menschheit nachgeäfft haben. Sie haben denen, die nach Gottesgemeinschaft trachteten, durch ihre Gebilde einen angenehmen, aber seelenverderbenden Ersatz der wahren Offenbarung geschaffen.“

Die bei den Götzenfesten durch die Götzenbilder redenden bösen Geister erzeugten die für menschliche Ohren vernehmbare Stimme dadurch, daß sie das ihnen zur Verfügung stehende Od zur Bildung der sogenannten „direkten Stimme“ verwendeten. Es war in der Tat eine Nachahmung des Sprechens Gottes durch die Odwolke über der Bundeslade im Offenbarungszelt. Denn dies erfolgte ebenfalls als „direkte Stimme“, wie es in meinen früheren Darlegungen ausführlich klargelegt ist. Und wie bei dem Sprechen Gottes die erforderliche Odwolke durch das Od des Opferblutes und die Räucherungen beschafft wurde, so war auch das Blut der heidnischen Götzenopfer und die dabei vorgenommene Räucherung die Odquelle für die „direkten Stimmen“ der bösen Geister.

Weinel, S. 24: „Bei der großen Gefahr, die den Christen ständig durch den Teufel und seinem Heer drohte, war die Furcht vor diesen finsteren Mächten weit verbreitet. Es waren nicht Schatten und Phantasiegebilde, um die es sich handelte, wie es den meisten modernen Menschen erscheint, auch nicht mit Zähigkeit festgehaltene, unbewiesene Glaubenssätze, wie sie die heute lebenden Christen in ihren Religionen haben, sondern die bösen Geister waren erlebte, täglich sich kundgebende Gewalten, welche auf Schritt und Tritt geheimnisvoll, aber machtvoll wirkend ins Leben eingriffen“.

Weinel, S. 24 u. 25: „Wir müssen uns einen Christen vorstellen, wie ihn in dem Hause, in dem er lebt, die Laren und Penaten (Bilder der Götzen) von den Wänden anstarren; wie auf den Straßen und Plätzen die Bilder ihm zu drohen scheinen; wie er an den Tempeln vorübergeht, wo in dem dunklen Haus hinter den hellen Säulenreihen die geheimnisvollen Gewalten ihr Wesen treiben, Scharen von Menschen zu sich ziehend. Unter diesen Bildern gab es viele, deren scheußliche Gestalt mit ihrer wundersam grotesken Mischung von Menschen- und Tierleibern abstieß und doch denjenigen mit Grausen erfüllte, der hinter ihnen eine persönliche Geistermacht lebendig und wirksam wußte. Weit gefährlicher aber waren die Dämonen, wenn sie dem zart schimmernden Marmor Leben einhauchten, wenn die schönheitsfrohen Glieder der griechischen Götter und Göttinnen der sinnverlockende Zauber wurden, durch den die Teufel die Menschen knechteten. Der Christ erkannte mit Entsetzen, daß all diese lebensvolle Schönheit Gott gestohlen war, um sie zur Sünde zu gebrauchen; daß alle Majestät, welche die Göttergestalten umfloß, ein Raub an Gottes Herrlichkeit und an seiner Herrschaft über die Menschenherzen war.

Und wenn der Christ dann bei Familienfeiern, bei den Festen der Stadt und der Provinz voll Grauen die ungeheure Macht des Abfalls von Gott erfuhr; wenn er sah, wie bei solchen Festen die schlimmsten Schandtaten der Dämonen und Heroen auf der Bühne sich abspielten, wie die Leidenschaften der Menschen und Götter Habgier, Haß, Rachgier und Sinnenliebe, und was ihnen folgt: Krieg, Mord und Ehebruch, vor den Augen von alt und jung, der Reifen wie der Unreifen, in verführerischem Zauber sich entfalteten: Dann zog ein Schauer der Verachtung und des Hasses gegen diejenigen durch sein Herz, welche die Seelen der Menschen durch ihre Gaukeleien und Schreckbilder von dem wahren Gott und seiner ewigen Güte und Reinheit weggelockt hatten.

Glücklich der Christ, der nur diese Empfindungen kannte. Aber wenn sich die Schönheit der Bilder und der Menschen, wenn sich der Sinnenreiz der Schauspiele ihm ins Herz schlich, wenn bei den Kämpfen der Gladiatoren die im Menschen schlummernde Blutgier auch in ihm erwachte, dann hörte er mit Schrecken und Entsetzen dieselben finsteren Mächte aus den Regungen seines eigenen Trieblebens bald in süßem Schmeicheln, bald in wildem Locken zu sich reden. Er glaubte sie nicht bloß zu hören. Je mehr er auf sich achtete, je mehr er sich versenkte in das Erleben der Geisterwelt, je mehr er ein ‘Pneumatiker‘ wurde, desto klarer und öfter hörte er diese Stimmen, ja er sah die Gestalten der bösen Geister leiblich und erlebte körperlich ihre peinigende Gegenwart.

 

Und blieb er seinem Gotte treu, so wartete auf ihn vielleicht das Schlimmste. In einer Zeit der Verfolgung entfalteten Satan und seine Geister ihre höchste Macht. Mit Abscheu und bangem Entsetzen erfuhr er dann die Grausamkeit dieser wildgewaltigen Feinde an den Qualen seiner Freunde, oder er erlebte sie in den peinigenden Schmerzen, die seinen eigenen gefolterten Leib zerrissen.“

Was für eine Kraft war es nun, welche die Christen befähigte, die bösen Geistermächte zu überwinden? Die Christen selbst antworten uns: Es ist ein Heiliger Geist, ein Geist Gottes, der sie wirkt. Die Geister Gottes kamen zu ihnen in derselben Weise, wie sie zu den ersten christlichen Gemeinden kamen. So sagt Justin von den Christen seiner Zeit:

Justin, Dial. 39 p. 132: „Sie empfangen Gaben, ein jeder nach Würdigung, erleuchtet durch den Namen dieses Christus. Denn der eine empfängt einen Geist der Einsicht, der andere einen Geist des Rates, der andere einen der Kraft, der andere einen Geist der Heilung, der andere einen Geist des Vorherwissens, dieser einen Geist der Lehre, jener einen Geist der Furcht Gottes“.

Justin, Dial. 88 p. 318: „Bei uns kann man Frauen und Männer sehen, welche Gnadengaben von einem Geist Gottes haben“.

In seinem Gespräch mit dem Juden Tryphon sagt Justin:

Justin, Dial. 82 p. 296: „Bei uns sind noch bis jetzt prophetische Gaben vorhanden, woraus ihr erkennen könnt, daß das, was vor alten Zeiten in eurem Geschlecht war, jetzt zu uns kam. Und wie auch falsche Propheten zu der Zeit lebten, da die heiligen Propheten bei euch auftraten, so gibt es auch jetzt bei uns falsche Lehrer.“

Gegen diejenigen, welche die Kundgebungen der Geister Gottes aus der Religion verweisen wollten, tritt Irenaeus auf. Er spricht den Standpunkt der ganzen christlichen Kirche der damaligen Zeit aus, wenn er gegen die Religionsgemeinschaft der Aloger sagt:

„Sie machen die Gabe des Geistes zunichte, welche in der Endzeit nach dem Willen des Vaters über das ganze Menschengeschlecht ausgegossen ist. Sie wollen jene Form des Evangeliums nicht zulassen, welche im Johannes-Evangelium dargestellt ist, wo der Herr versprochen hat, die Geisterwelt zu senden. Und sie verwerfen sowohl das Evangelium als auch den prophetischen Geist“.

Wenn Irenaeus den Ausdruck „Endzeit“ gebraucht, so meinten die Christen damit die Zeit vom Erscheinen Christi an bis zum Weltende.

Unter „prophetischem Geist“ verstanden die Christen einen Geist, der durch ein menschliches Medium die Wahrheiten Gottes verkündete, wie dies in den ersten christlichen Gemeinden der Fall war.

Nach dem altchristlichen Grundsatz konnte man die Wahrheit nur dort lernen, wo Geister Gottes sich kundgaben. Dieser Grundsatz wurde in die Formel gekleidet: „Wo die Gnadengaben Gottes bestehen, dort muß man die Wahrheit lernen.“

Da die Verbindung mit der guten Geisterwelt unter denselben Gesetzen und Vorbedingungen sich vollzog und noch vollzieht, wie die mit den bösen Geistern, so sind die Kundgebungen beider Geisterwelten äußerlich gleichartig.

Nur aus dem Inhalt der Kundgebungen und dem Benehmen der Geistwesen in den menschlichen Medien kann man erkennen, ob sie von guten oder bösen, hohen oder niederen Geistwesen stammen.

Aber die Kundgebungen selbst betrachtete damals sowohl der Jude als auch der Heide und der Christ, der katholische Christ sowohl als auch der nichtkatholische, in gleicher Weise als Wirkungen unsichtbarer Geistwesen.

Weinel, S. 64: „Erblickt ein Christ in einer Vision einen Engel oder einen Dämon, Christus oder den Teufel, hat ein Heide oder ein Gnostiker eine Vision, so ist nicht, wie für manche moderne Theologen, bei einem Juden Selbsttäuschung, was bei einem Christen wahres Erleben ist, sondern in jedem der angegebenen Fälle sind für jene Zeit übermenschliche, unsichtbare Geistwesen in Erscheinung getreten. Und das Erlebnis kann sich jedesmal ganz in der gleichen Form abspielen.“

Weinel; S. 64: „Die Wirkungen des Heiligen Geistes und der Dämonen sind aber nicht nur im allgemeinen gleichartige Vorgänge, sondern derselbe Vorgang kann bald als Wirkung des guten, bald als Wirkung des bösen Geists beurteilt werden, je nach dem dogmatischen Standpunkt (Glaubensstandpunkt) des Verfassers. Was der Gnostiker (eine christliche Sekte) für gute, heilige Geistwirkung hält, beurteilt der katholische Christ als Blendwerk der Dämonen und umgekehrt.“

Weinel, S. 65: „Wo die pneumatischen Vorgänge auf demselben seelisch-leiblichen Gebiet auftreten, ist es höchst auffallend, wie gleichartig sie in allen Jahrhunderten gewesen sind. Der mittelalterliche mönchische Mystiker, der Quäker im protestantischen England, der hugenottische Inspirierte, der Wunderarzt des 19. Jahrhunderts, erlebt und tut dann ganz dasselbe wie die Pneumatiker der werdenden Kirche.“

Weinel, S. 67: „Innerhalb des Gebietes der pneumatischen (medialen) Erscheinungen gibt es nach christlicher Überzeugung keine neutrale Wirkung. Der Geist, welcher wirkt, ist entweder ein böser oder ein guter.“


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