Text Quelle : vom Medium Peter Bernath persönlich zum Mitveröffentlichung autorisiert.

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Erster Teil : 3

Johannes Greber wurde am 2. Mai 1874 in Wenigerath, Kreis Bernkastel geboren. Grebers Eltern waren arme Kleinbauern. Weil der Sohn aber außergewöhnlich begabt war, unterstützte ihn der Dorfpfarrer finanziell und schickte ihn auf das Konvikt in Prüm (80 km südwestlich von Koblenz). Nach bestandenem Abitur trat Greber 1896 in das Priesterseminar in Trier ein und studierte dort katholische Theologie. Am 31. März 1900 wurde er zum Priester geweiht. Anschließend war er von 1900 bis 1901 in Saarbrücken und von 1901 bis 1904 in Trier als Kaplan tätig. Am 1. Mai 1904 übernahm er seine erste Pfarrstelle in Obergondershausen (Bild 1) im Hunsrück (17,5 km südsüdwestlich von Koblenz), die er bis zum 31. März 1915 innehatte. Er war als Mensch und Pfarrer sehr beliebt, hatte eine gewaltige Predigergabe und war unermüdlich aktiv in der tätigen Nächstenliebe.

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Die Pfarrkirche von Johannes Greber in Obergondershausen (7)

Die Gegend, wo er sein Amt ausübte, war eine der ärmsten in Deutschland. Viele der Bewohner waren an Tuberkulose erkrankt. An die Ärmsten im Dorf verteilte er oft von ihm selbst bezahlte Gutscheine, für die sie sich in den Läden der Dörfer Grundnahrungsmittel wie Brot oder Fleisch kaufen konnten. Ärztliche Hilfe blieb den meisten Kranken versagt, da sie sich diese Hilfe nicht leisten konnten. Weil der nächste Arzt erst in 20 km Entfernung in Boppard zu erreichen war, befaßte sich Greber, der gerne Medizin studiert hätte, schon in Obergondershausen auch mit der Behandlung von Krankheiten. Damals mit sog. Hausmitteln und dem Auflegen der Hände. Er verwendete Heilkräuter und Wasseranwendungen nach Kneipp.

Greber war ohne Murren zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Hilfe bereit. Das war ihm auch deswegen möglich, weil er ein Pferd besaß und damit schnell selbst in entlegene Dörfer seiner Pfarrei gelangen konnte. Außerdem gründete er einen Hilfsbund zur Pflege und Unterstützung erkrankter Angehöriger seiner und umliegender Kirchengemeinden. Greber ließ Krankenschwestern ausbilden, um den Kranken seiner Gemeinde zu helfen. Als seine größte Aufgabe sah er es an, diese Leiden zu lindern und die Kranken zu besuchen. Zur Begrüßung gab er diesen die Hand und legte ihnen die andere Hand auf die Stirn, während er ein stilles Gebet sagte. Von HEILKRAFT wußte er zu dieser Zeit noch nichts. Erst in späteren Jahren in den USA wirkte er in stärkerem Maße als geistiger Heiler.

Im August 1914, als die Glocken zur Mobilmachung läuteten, überfiel Greber große Besorgnis und Beunruhigung. Zugleich hatte er eine Vision: Er sah, wie in einem Film, Tausende halbverhungerte Kinder vor sich. Ein FINGER deutete auf diese vielen Kinder und eine STIMME sprach zu ihm: „Das ist Deine Arbeit.“ – Nach zwei Jahren Weltkrieg, als die große Hungersnot hereinbrach, wurde ihm die Bedeutung dieser Vision klar. Nun konnte er die unterernährten Kinder in Wirklichkeit sehen. Er machte sich an die Arbeit, um Abhilfe zu schaffen, und kam zu dem Entschluß, die hungernden Kinder nach Holland zur Erholung zu bringen. Dieser Plan stieß jedoch auf große Schwierigkeiten. Sein Bischof sowie alle Behörden versagten jegliche Hilfe. Pfarrer Greber ließ sich nicht ablenken. Allein machte er sich an die große Aufgabe, und organisierte im Rahmen des Hilfsbundes von 1915 bis 1918 die zeitweilige Unterbringung von unterernährten Stadtkindern bei deutschen Bauern auf dem Land und von 1916 an im benachbarten Holland. In etwa zwei Jahren brachte er es fertig, mehr als20.000  Kinder bei Pflegeeltern auf dem Land unterzubringen. Oft gab er seinen letzten Pfennig, um die nötigen Fahrkarten für die Kinder zu kaufen.

Nach fast elfjähriger Tätigkeit als Pfarrer in Obergondershausen ließ sich Greber zum 31. März 1915 vom Trierer Bischof Felix Korum beurlauben, um eine Stelle als Direktor des „Mittelrheinisch-nassauischen Bauernvereins“ anzunehmen. Aus diesem Grund verlegte er seinen Wohnsitz nach Koblenz. Allerdings übte er die Tätigkeit nur bis zum 28. Juli 1916 aus, blieb aber weiterhin in Koblenz wohnen. Seine Arbeitskraft widmete Greber für die nächsten zwei Jahre überwiegend dem von ihm begründeten Hilfsbund. Bei der Durchführung dieser Aufgaben hatte Greber gelernt, größere Unternehmungen zu leiten und sich gegenüber Widerständen durchzusetzen. Er hatte gezeigt, daß er aufopferungsfähig war, und damit den Beweis erbracht, auch noch bedeutenderenAufträgen gewachsen zu sein. Diese kamen in der Inflationszeit auf ihn zu.

Als nach dem Kriegsende die Kinderverschickung nicht mehr erforderlich war, trat Greber wieder in den aktiven Kirchendienst ein und übernahm die Pfarrei der kleinen Gemeinde Kell (Bild 2), 5 km nordwestlich von Andernach. Auch dort war er ein von seiner Gemeinde angesehener und sehr beliebter Pastor. Zugleich nahm er auch noch die Leitung des von ihm begründeten Hilfsbundes wahr, dessen Büro sich in Koblenz befand. Zweimal in der Woche fuhr er dorthin, um die anfallenden Wohlfahrtsarbeiten zu erledigen.

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Grebers Pfarrkirche St. Lubentius in Kell (7)


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