Text Quelle : vom Medium Peter Bernath persönlich zum Mitveröffentlichung autorisiert.

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vierter Teil : 10.18 Letzte Ölung

e) Ihr habt in der katholischen Kirche ein Sakrament, das ihr ‚Letzte Ölung‘ nennt. Auch im ersten Christentum hatte man eine Salbung mit Öl bei Kranken. Doch hatte sie eine ganz andere Bedeutung, als ihr heute mit der ‚Letzten Ölung‘ verbindet. Ihr wendet die Krankensalbung nur bei lebensgefährlichen Krankheiten an und bezweckt damit vor allem eine Vergebung der Sünden des Kranken. Nebenbei auch eine Besserung seines Krankheitszustandes.

Bei den ersten Christen jedoch wurde die Krankensalbung als körperliches Heilmittel angewandt, dessen Wirksamkeit davon abhing, daß der Kranke die Sünde aus seinem Herzen tilgte.

Im Brief des Apostels Jakobus heißt es:

Jakobus 5, 14 – 16: ‚Ist einer unter euch krank, so lasse er die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen; diese sollen über ihn beten, nachdem sie ihn im Namen des Herrn mit Öl gesalbt haben; dann wird das gläubige Gebet den Ermatteten retten und der Herr ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm Vergebung zuteil werden. Bekennet also einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet; das inständige Gebet eines Gerechten hat große Kraft.‘

Die sogenannten ‚Ältesten‘ der ersten christlichen Gemeinden waren begnadete Männer. Sie hattendie Heilkraft, da der Besuch der Kranken eine ihrer wichtigsten Aufgaben war. Durch die Salbung mit Öl übertrugen sie unter Gebet die Heilkraft auf den durch Krankheit Geschwächten. Durch das Gebet setzt sich der Mensch in innige Verbindung mit Gott als der Quelle aller Heilkraft. Und je inniger diese Verbindung ist, um so größer ist die Kraft, die dem Betenden aus dieser Kraftquelle zuströmt.

Nun weißt du aus den Heilungen Christi, daß manche Krankheiten eine Strafe für Sünden sind, besonders der Sünden gegen die Nächstenliebe. Darum sagte Christus immer wieder zu den Geheilten: ‚Sündige nicht mehr, damit dir nicht Schlimmeres widerfahre.‘ Darum mußte zuerst die Sünde als die Ursache der Krankheit entfernt werden. Das geschah dadurch, daß der Kranke den gegen seine Mitmenschen begangenen Fehltritt demjenigen bekannte, gegen den er gefehlt hatte. Er ließ ihn, wenn möglich, zu diesem Zweck an das Krankenbett rufen, und es erfolgte die Aussöhnung. Darum mahnt ja auch der Apostel Jakobus: ‚Bekennet also einander eure Sünden, damit ihr geheilt werdet.‘

Nicht einem beliebigen Menschen sollten sie ihre Sünden bekennen, auch nicht einem Priester, sondern dem, gegen den sie gefehlt hatten. War die Aussöhnung mit dem Beleidigten erfolgt, dann vergab auch Gott dem Kranken seine Sünde, und seine Krankheit schwand durch die Heilkraft des Ältesten, der sie unter Gebet und Ölsalbung auf den kranken Körper übertrug.

In den Worten des Apostels ist die erhabenste Krankenheilung beschrieben, die es für einen Menschen geben kann. Es war eine Krankenheilung, die Leib und Seele des Kranken gesund machte.

Und was habt ihr heute aus dieser Krankensalbung und Krankenheilung gemacht?

Nach eurer Lehre muß das Öl von einem Bischof geweiht sein. Nur ein von einem Bischof geweihter Priester kann die Salbung mit diesem Öl vornehmen, indem er dabei ein ihm vorgeschriebenes Gebet spricht. Und da meint ihr, daß eine solche Salbung die Verzeihung der Sünden des Kranken herbeiführe. Ihr spendet diese Salbung sogar einem Bewußtlosen und meint, selbst in diesem Zustand bewirke sie die Vergebung der Sünden. Euer gesundes Denken müßte euch doch sagen, daß eine solche Ölsalbung auf den Seelenzustand des Bewußtlosen keine Wirkung ausüben kann. Auch bei den ersten Christen bewirkte nicht die Salbung die Sündenvergebung, sondern die vorher erfolgte Sündenvergebung räumte das Hindernis der Heilung hinweg, so daß nun die Heilsalbung ihre Wirkung bei dem Kranken betätigen konnte. – Da bei eurer heutigen Krankensalbung in den meisten Fällen all die Vorbedingungen fehlen, die in den ersten Christengemeinden vorhanden waren, so ist die sogenannte ‚Letzte Ölung‘ in den meisten Fällen eine rein äußerliche Zeremonie ohne jegliche innereWirkung.


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