Text Quelle : vom Medium Peter Bernath persönlich zum Mitveröffentlichung autorisiert.

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vierter Teil : 10.19 

Auch eine ‚Priesterweihe‘ gab es im Urchristentum nicht. Das Wort ‚Priester‘ ist entstanden aus dem griechischen Wort ‚Presbyter‘ der alten Kirche. Es bedeutet ‚Ältester‘. Es sind damit jedoch nicht Älteste den Jahren nach gemeint, sondern die innerlich Reifsten in der Sache Gottes. Von ihnen galt das Wort aus dem Buche der Weisheit:

Weisheit 4, 8 – 9: ‚Nicht das lang dauernde Alter ist der Ehre wert und es wird nicht die Zahl der Jahre gemessen; nein, das wahre graue Haar ist für die Menschen die Einsicht und das wahre Greisenalter ein fleckenloses Leben.‘

Darum wurden die Presbyter der ersten christlichen Kirchen nicht von Menschen für ihre Aufgabe ausgewählt, da Menschen die innere Würdigkeit eines Mitmenschen nicht beurteilen können. Sie wurden in den gottesdienstlichen Versammlungen der Christen durch die sich kundgebenden Geister Gottes als diejenigen bezeichnet, die Gott für seine Zwecke bestimmt hatte. Von den Gliedern der christlichen Gemeinden wurden sie durch Handauflegung in feierlicher Weise als die anerkannt, die im Auftrag Gottes ihres Amtes walteten.

Und worin bestand ihre Tätigkeit? Hatten sie vielleicht größere geistige Befugnisse als die gewöhnlichen Christen? Hatten sie geistliche Vollmachten, die sie den Mitchristen gegenüber ausübten, so daß diese in ihrem Verhältnis zu Gott und in der Erlangung des Heils von ihnen abhängig gewesen wären?

Nichts von alledem.

Man kannte damals kein Priestertum, wie ihr es heute habt. Damals gab es keine Priester mit besonderer geistlicher Gewalt, die nur sie hätten ausüben können. Es gab keine Priester, die sogenannte Sakramente spendeten, Sünden vergaben oder andere geistigen Gnaden vermittelten. Es gab keine Bischöfe, die andere zu Priestern weihten und ihnen geistige Vollmachten übertrugen.

Das Amt eines ‚Ältesten‘ oder ‚Presbyters‘ umfaßte eine ganz andere Tätigkeit. Wo Menschen sich zu einem bestimmten Zweck vereinigen und zusammenkommen, da muß ein Leiter sein, der die äußere Ordnung aufrecht hält und dafür sorgt, daß alles so gehandhabt wird, wie es zur Erreichung des gesteckten Zieles erforderlich ist.

So war es auch bei den ersten Christen. Sie kamen zusammen zum Gottesdienst, zur Feier des Abendmahls, zur gegenseitigen inneren Erbauung und Stärkung im Glauben. Da war es notwendig, daß jemand da war, der diese Versammlungen anberaumte, sie vorbereitete, die Stunde festsetzte, das ganze leitete und dafür Sorge trug, daß alles in schöner Ordnung und Eintracht verlief. Denn Gott ist ein Gott der Ordnung in seiner ganzen Schöpfung. Wie er in der Geisterwelt Führer und Leiter bestimmt hat, welche die Ausführung seiner Anordnungen zu überwachen haben, so will er auch, daß es in der menschlichen Heilsordnung Leiter gibt, die alles so einrichten, daß die Glieder der Heilsgemeinschaft möglichst großen geistigen Nutzen ernten. Diese Aufgabe hatten die Presbyter. Sie sorgten zunächst für die äußere Ordnung. Sie bestimmten, in welchem Hause die gottesdienstlichen Versammlungen abgehalten wurden, sorgten dafür, daß der Raum entsprechend eingerichtet und mit allem Notwendigen versehen wurde; sie setzten die Zeit der Zusammenkünfte fest und sahen überall nach dem Rechten.

Aber in dem inneren Leben der Gemeinde erwuchsen ihnen noch wichtigere Aufgaben. In den Gottesdiensten wurde durch die sich kundgebenden Geister vieles angeordnet, was für das geistige Fortkommen der Gemeinde von Wichtigkeit war. Der Presbyter hatte nun dafür zu sorgen, daß jene Anordnungen und Aufträge pünktlich und gewissenhaft ausgeführt wurden. Da die wahre Religioneine Religion der tätigen Nächstenliebe ist, so wurde bei den Christen ein großer Wert auf die Hilfe gelegt, die den wahrhaft Hilfsbedürftigen in der Gemeinde gewährt werden sollte. Da war es der Presbyter, der in ständiger Fühlung mit den Familien seiner Gemeinde blieb und mit ihnen alles besprach, was sie leiblich und seelisch bedrückte. Er war der treueste Freund aller. Alle hatten deswegen ein unbegrenztes Vertrauen zu ihm, weil er von den Geisterboten Gottes als derjenige bestimmt worden war, der Freud und Leid mit ihnen teilen sollte und dem sie alles anvertrauen konnten.

Infolge seiner Erwählung durch die Geisterwelt besaß er auch die Gottesgabe, ihnen stets das für sie Beste in Rat und Tat zu gewähren. Er stellte fest, wo Hilfe not tat, besuchte die Kranken und menschlich Verlassenen, Witwen und Waisen und trug dafür Sorge, daß von den anderen christlichen Familien die erforderliche Hilfe geleistet wurde.

Die ersten Christen brachten zu den Versammlungen sehr viele materielle Gaben der verschiedensten Art mit und übergaben sie dem Ältesten, damit er sie an die Notleidenden austeile.

Da der Älteste auch die Gabe der Heilung hatte und so ein großer Helfer der Kranken war, so war es natürlich, daß er sich durch seine Tätigkeit auch rein menschlich die Liebe und Zuneigung der Mitchristen erwarb.

Aus dem großen Vertrauen heraus, das alle zu ihm hatten, sprachen sich die Glieder der Gemeinde auch über das bei ihm aus, was sie an geistigen Bedrängnissen zu tragen hatten, bekannten ihm dabei auch manche Fehltritte und baten ihn um seinen Rat. Er richtete sie auf, tröstete und ermunterte sie, betete mit ihnen und war allen ein geistiger Vater und wahrer Hirte.

Die ersten Christengemeinden bestanden in der Form der Nachbarschaften. Eine gewisse Anzahl von Familien, die in einem gewissen Umkreis wohnten, bildeten eine Gemeinde. Sehr groß durfte sie nicht sein, da sonst der beschränkte Raum eines Privathauses ihre Zusammenkünfte nicht hätte fassen können. Darum war die Zahl der Gemeinden an einem größeren Orte oder in einem größeren Bezirk oft recht groß. Jede von ihnen hatte ihren eigenen Presbyter.

Nun kam es häufig vor, daß in der einen Gemeinde fast nur materiell besser gestellte Familien waren, während eine andere Gemeinde fast nur hilfsbedüftige Familien umfaßte. Und da gerade die wohlhabenden Familien mit ihrem irdischen Vermögen recht viel Gutes tun wollten, aber in der eigenen Gemeinde keine Gelegenheit dazu hatten, so stellte sich bald folgende Notwendigkeit heraus: Es mußte eine Verbindung der einzelnen Gemeinden miteinander in der Weise hergestellt werden, daß einer bestimmt wurde, der sich mit den Presbytern des ganzen Bezirkes in Verbindung zu setzen hatte. Bei ihnen sollte er feststellen, wie groß die Zahl der Hilfsbedürftigen war und welche Hilfsmittel im ganzen zur Verfügung standen. So konnte ein Ausgleich der Gaben und Hilfeleistungen in die Wege geleitet werden. Denn die Presbyter führten ein genaues Verzeichnis sowohl über die Zahl der Armen als auch über den Umfang der zur Verfügung stehenden Hilfsmittel ihrer Gemeinde.

Derjenige nun, der den Ausgleich und die Verteilung der Mittel und Hilfeleistungen des gesamten Bezirkes auf die einzelnen Gemeinden dieses Bezirkes vornahm, nannte man ‚Episcopos‘, woraus euer heutiges Wort ‚Bischof‘ entstand. Es bedeutet: ‚Aufsichtführender‘. Er hatte mit den Gliedern der Einzelgemeinden nichts zu tun. Seine Aufgabe bestand darin, daß er mit den Presbytern seines Bezirkes zusammenkam, mit ihnen die Zusammenarbeit auf dem Gebiete der christlichen Hilfe besprach und organisierte und die Hilfsmittel an die einzelnen Presbyter zur weiteren Verteilung überbringen ließ. Daß bei solchen Besprechungen der Presbyter mit dem ‚Episcopos‘ oder Bischof auch andere wichtige Fragen der Seelsorge behandelt wurden, ergab sich von selbst.

Der Bischof wurde, wie der Presbyter, nicht von Menschen gewählt, sondern durch Kundgebungen der Geister Gottes bestimmt.

Sein Einfluß auf das Leben der christlichen Gemeinden war naturgemäß ein sehr großer. Aber es war ein Einfluß, der aus seiner inneren Würdigkeit und seinem vorbildlichen Leben entsprang. Darum wurde er in allen wichtigen Fragen um sein Urteil gebeten.

Auch die Geisterwelt wies die Presbyter in allen die Gesamtheit der Christengemeinden betreffenden Fragen an den Bischof ihres Bezirkes. Und dieser wurde von Gottes Geist belehrt, was er tun solle.

Wie jedoch der Einfluß, den ihr Menschen auf eure Mitmenschen erlangt, von euch so leicht mißbraucht wird, so geschah es auch später in den christlichen Gemeinden. Es kam die Zeit, wo die Geister Gottes aus der christlichen Kirche ausgeschaltet wurden. Nun wurden die Presbyter und Bischöfe nicht mehr von der Geisterwelt bestimmt, sondern von einflußreichen Menschen. Herrschsucht und andere menschliche Untugenden schlichen sich ein.

Denn wo die Geister Gottes fehlen, da wirken andere Geister, die nicht das Heil der Menschheit wollen, sondern ihr Verderben. Das Gute herrscht durch Freiheit – das Böse durch Zwang.

Die Urkirche, in der die Geister Gottes das Zepter führten, war eine Kirche der Freiheit der Kinder Gottes.

Die spätere Kirche, welche die Geister Gottes ausschaltete, wurde unter dem Einfluß der bösen Mächte, die in ihr wirksam wurden, eine Kirche der geistigen Knechtschaft, in der die Leiter sich Gewalten anmaßten, die gegen den Willen Gottes verstießen und infolge dieser Gewalten den Gläubigen den direkten Weg zu Gott versperrten.

So ist es bis heute in der katholischen Kirche geblieben.

Die Katholiken sind fest an die Rockschöße des katholischen Priestertums gebunden. Denn ohne Inanspruchnahme dieses Priestertums gibt es nach der Lehre dieser Kirche keine Sündenvergebung,kein Kommen des Geistes Gottes, kein Abendmahl des Herrn, keine Krankensalbung und keine gültige Ehe. Letztere hat sie ebenfalls zu einem Sakrament gestempelt, über das ich dir nach meinen vorhergehenden Darlegungen über die Ehe nichts weiter mehr zu sagen habe.

Wenn Christus heute wieder auf die Erde käme, würde er noch einmal die Klage aussprechen müssen: ‚Mich erbarmet des Volkes!‘

Sollen die jetzigen christlichen Kirchen wieder Träger der wahren Lehre Christi werden, dann müssen sie zurückkehren zum Gottesdienst der Urkirche.

Es ist freilich keine Hoffnung, daß eine Rückkehr zum Christentum Christi von seiten der Leiter der heutigen christlichen Kirchen angebahnt wird. Sie muß vom Volke ausgehen!

Das Volk, dem so viele Menschensatzungen im Namen der Religion aufgebürdet wurden, muß wieder lernen, auf dieselbe Weise seinen Gott zu suchen und dessen Willen zu erfüllen, wie es die ersten Christen unter Anleitung der Geister Gottes getan haben. Denn auch heute gilt noch der Satz, den die christliche Urkirche sich zur Richtschnur nahm:

‚Wo die Geister Gottes sind, da ist die Wahrheit!‘


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