Text Quelle : vom Medium Peter Bernath persönlich zum Mitveröffentlichung autorisiert.

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vierter Teil : 10.12

d.) Die katholische Kirche hat ein Sakrament der Buße. Nach der Lehre des Neuen Testamentes bedeutet ‚Buße‘ eine ‚Änderung der Gesinnung‘. Johannes der Täufer predigte Buße zur Vergebung der Sünden. Und von Christus heißt es:

Matthäus 4, 17: ‚Von dieser Zeit an begann Jesus die Heilsbotschaft mit den Worten zu verkünden: Tuet Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!‘

Die Worte ‚Tuet Buße!‘ lauten in der Bibel nach wörtlicher Übersetzung: ‚Ändert eure Gesinnung!‘Buße ist also eine geistige Umkehr vom Bösen zum Guten und zu Gott.

Wer das Böse, das er bis dahin getan, nicht mehr tut, und das Gute, das er bis dahin unterlassen, zu tun beginnt, bei dem ist eine Gesinnungsänderung eingetreten. Er gehört zu denen, die Buße tun.

Die Katholiken verbinden mit dem Sakrament der Buße einen viel weiteren Begriff. Es genügt ihnen nicht eine Umkehr des Menschen in Gesinnung und Tat; die katholische Kirche fordert vielmehr als unerläßliche Bedingung für eine solche Umkehr und für eine Versöhnung mit Gott das Bekenntnis aller einzelnen schweren Sünden vor einem katholischen Priester. Nur dieser hat nach ihrer Lehre die Macht, an Gottes Statt die Sünden zu vergeben. Ohne priesterliche Lossprechung gibt es für sie keine Sündenvergebung. Dadurch bindet sie die Gläubigen fest an das Priestertum und die kirchliche Organisation. Mit diesem geistigen Machtmittel übt sie eine absolute Herrschaft über die Seelen aus.

‚Niemand kann Sünden vergeben, als Gott allein.‘

Mit diesem Ausspruch hatten die Schriftgelehrten Christus gegenüber recht.

Kein Mensch und kein Priester kann eine Lossprechung erteilen.

Auch Christus konnte es nicht.

Wohl kann Gott einem Menschen als Werkzeug Gottes in einem bestimmten Fall einen Auftrag geben, einem Sünder zu sagen, daß Gott ihm seine Sünden verziehen habe. Einen solchen Auftrag gab Gott dem Propheten Nathan. Er sandte ihn zu David, um ihm mitzuteilen, daß er ihm die Sünde des Ehebruches und Mordes vergeben habe.

Ebenso hatte Christus in den einzelnen Fällen, in denen er Sündern die Vergebung der Sünden mitteilte, einen speziellen Auftrag Gottes erhalten. Er verkündete die Sündenvergebung nicht aus sich und nach eigenem Ermessen. Er verkündete sie nur denen, die ihm Gott durch seine Geisterboten als der Vergebung würdig bezeichnet hatte. Das bestätigt Christus, indem er seinen Gegnern ausdrücklich sagt, der Vater habe ihm den Auftrag dazu erteilt. Nicht einen Auftrag für alle Fälle nach dem Belieben Christi, sondern in jedem einzelnen Fall.

Der katholische Priester behauptet nun, von seinem Bischof die Gewalt bekommen zu haben, nacheigenem menschlichen Ermessen den Gläubigen die Lossprechung zu erteilen oder zu versagen.

Aber wie will er denn wissen, ob Gott dem einen die Sünden vergeben hat und dem anderen nicht?

Oder seid ihr so töricht, zu glauben, Gott vergebe deswegen einem Sünder, weil ein Priester ihm die Lossprechung erteilt, und versage einem anderen die Verzeihung, weil ein Priester sie ihm versagt hat?

Oder überbringen dem katholischen Priester, wie beim Propheten Nathan und bei Christus, Geisterboten den Auftrag, in dem einen Falle die Sünden zu vergeben und in dem anderen Falle nicht?

Oder hat er sonst eine überirdische Gabe, dies zu erkennen? Kann er in den Herzen der Beichtkinder lesen, ob Gott ihnen die Sünden vergeben hat?

Die katholischen Priester müssen gestehen, daß sie nichts dergleichen besitzen.

Wie können sie denn anderen mitteilen, daß Gott ihnen die Sünden vergebe, wenn sie nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür haben, ob ihre Mitteilung auf Wahrheit beruht? Der Priester vermag weder in das Herz des Sünders zu schauen, noch den Willen Gottes zu erkennen. Und wenn ihr sagt, die Lossprechung gelte bloß für den Fall, daß das Beichtkind seine Sünden wahrhaft bereue und den ernstlichen Willen habe, sich zu bessern, so besteht das Törichte der priesterlichen Lossprechung eben darin, daß der Priester in keinem Falle weiß, ob jene Bedingung bei dem Beichtkind erfüllt ist.

Ein Priester kann also in keinem Falle sagen: ‚Ich spreche dich los von deinen Sünden.‘ Er kann höchstens sagen: ‚Gott möge dich lossprechen von deinen Sünden!‘

Um einen solchen Wunsch dem Sünder gegenüber auszusprechen, braucht man nicht Priester zu sein. Das kann jeder Mensch. Es ist eben bloß ein Wunsch ohne jede Wirkung. Aber der Priester sagt ausdrücklich: ‚Ich spreche dich los von deinen Sünden.‘ Damit spricht er ein richterliches Urteil aus, von dem er in keinem Falle weiß, ob es vor Gott Rechtskraft besitzt oder nicht.

Was würdet ihr von einem irdischen Richter sagen, der Urteile ohne jede Rechtskraft verkünden würde?

Nicht wahr, das wäre eine lächerliche Komödie.

Dasselbe ist die katholische Sündenvergebung durch einen Priester, wie dir dein gesunder Menschenverstand sagen muß.

Die Wahrheit ist die:

Wer seine Sünden aufrichtig bereut und sich zu Gott wendet, dem vergibt Gott, einerlei ob ein Priester ihm vergeben hat oder nicht. Und wer nicht bereut, dem wird von Gott keine Vergebung zuteil, wenn ihm die Priester auch noch sooft die Lossprechung erteilen.

Eure Lehre der Sündenvergebung durch Priester ist daher eine der großen menschlichen Irrungen, die sich im Laufe der Zeit in das Christentum eingeschlichen haben.

Zum Beweis dafür, daß die katholischen Priester die Gewalt haben, die Lossprechung von Sünden zu erteilen, beruft sich die katholische Kirche auf eine gefälschte Bibelstelle. Auf diese Fälschung habe ich dich bereits in meinem ersten Zusammentreffen mit dir hingewiesen. Es ist die Stelle:

Johannes 20, 23: ‚Wenn ihr anderen die Sünden vergebet, so werden sie ihnen vergeben. Wenn ihr sie behaltet, so werden sie ihnen behalten.‘

Du weißt bereits, daß im griechischen Text ein einziges Wörtchen in dieser Stelle ausgelassen und dadurch der ganze Sinn entstellt ist. Anstatt des Wortes ‚ihnen‘ stand im Urtext ‚euch selbst‘.

Die Stelle hieß also richtig: ‚Wenn ihr anderen die Sünden vergebet, so werden sie euch selbst vergeben. Wenn ihr sie behaltet (oder nicht vergebt), dann werden sie euch selbst behalten (oder nicht vergeben).‘

In diesen Worten verkündet Christus dieselbe Lehre, die in der Bitte des Vaterunsers enthalten ist: ‚Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern‘ und die er im direkten Anschluß an das Vaterunser in den Worten ausgesprochen hat:

Matthäus 6, 14: ‚Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebet, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen nicht vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.‘

Weil eine Gewalt der Sündenvergebung, wie sie die katholische Kirche für sich in Anspruch nimmt,nicht besteht und nicht bestehen kann, ist sie auch niemals in den ersten christlichen Zeiten gelehrt oder ausgeübt worden.

Deshalb wurde früher von den Christen auch nie ein Sündenbekenntnis vor einem Priester verlangt. Die Menschen des ersten Christentums wurden aufgefordert, entsprechend der Lehre Christi,einander die Sünden zu bekennen; nämlich die Sünden, die sie gegeneinander begangen hatten. Sie sollten das Unrecht, das sie ihren Mitmenschen zugefügt hatten, diesen eingestehen und dadurch die Versöhnung herbeiführen.

Dies ist ja auch der einzige und schnellste Weg der Aussöhnung. Wenn dich jemand beleidigt hat und er kommt zu dir und gesteht sein Unrecht ein, dann reichst du ihm gern die Hand zur Versöhnung. Dazu fordert ja auch Christus mit den Worten auf:

Matthäus 5, 23 – 24: ‚Wenn du deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas wider dich habe, so laß deine Gabe dort vor dem Altare und geh zunächst hin und versöhne dich mit deinem Bruder. Alsdann komm wieder und opfere deine Gabe.‘

Wäre zur Sündenvergebung das Bekenntnis vor einem Priester und dessen Lossprechungerforderlich, dann würden Christus und die Apostel es nicht unterlassen haben, immer wieder darauf hinzuweisen. Denn es wäre das Wichtigste der ganzen christlichen Lehre gewesen, weil ja ohne Sündenvergebung niemand in das Reich Gottes eingehen kann.

Aber weder Christus noch die Apostel kennen die Beichte vor einem Priester oder deren Lossprechung.

Beichte und priesterliche Lossprechung sind Menschensatzungen, die dem Gläubigen den Weg zu Gott nicht erleichtern, sondern bedeutend erschweren, indem sie ihn in falsche Sicherheit wiegen. Er beichtet und empfängt die Lossprechung des Priesters und meint nun, damit sei zwischen ihm und Gott wieder alles in Ordnung.

Damit wird er das Opfer einer großen Täuschung!

Jeder Irrtum in den Heilswahrheiten ist mit einem Irrweg zu vergleichen, der den Wanderer dem Ziel nicht näher bringt, sondern vom Ziele immer weiter entfernt.


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