Text Quelle : vom Medium Peter Bernath persönlich zum Mitveröffentlichung autorisiert.

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Erster teil : 3.1

In Koblenz kam nun im Spätsommer 1923 ein Mann zu Greber und fragte ihn nach seiner Ansicht über den Spiritualismus. Zugleich forderte er ihn auf, sich sein Urteil nach eigener Anschauung zu bilden. Der Mann berichtete, daß er wöchentlich mit einem kleinen Kreis von Menschen zu einer Art Gottesdienst zusammenkomme. Dabei werde gebetet, in der Bibel gelesen und das Gelesene hinterher besprochen. Unter den Anwesenden befinde sich auch ein Junge im Alter von 16-17 Jahren (sein Name war Erich Zimmermann). Er habe nur eine mittelmäßige Schulbildung und sei Lehrling in einem Privatbetrieb. Bei den Zusammenkünften pflege dieser, plötzlich bewußtlos vornüber zu fallen, werde dann aber wie von einer unsichtbaren Kraft ruckweise wieder aufgerichtet. Dann sitze er mit geschlossenen Augen da und erteile den Anwesenden wunderbare Belehrungen. Auch beantworte er Fragen, die man an ihn stelle. Am Schluß des Vorganges komme er wieder zum Bewußtsein, könne sich aber an das Vorgegangene in keiner Weise erinnern.

Nach anfänglichem Zögern, weil er eine Falle befürchtete, nahm Greber am folgenden Sonntagabend an einer solchen Zusammenkunft teil. Zur Vorbereitung hatte er sich auf einem Zettel einige Fragen aufgeschrieben, die er an den zu erwartenden Geist stellen wollte. Nach einem einleitenden Gebet, und nachdem der Junge in Trance gefallen war, sprach der Geist Greber auf seinen in der Tasche befindlichen Fragezettel hin an. Verblüfft zog Greber seinen Fragezettel heraus und stellte als erste Frage (1, S. 17):

„Wie kommt es, daß das Christentum auf die heutige Menschheit fast keinen Einfluß mehr auszuüben scheint?“

Die Antwort, die Greber gleich stenographisch aufzeichnete, lautete:

„Die Lehre Christi ist in den auf euch gekommenen Urkunden nicht mehr in ihrem ganzen Umfang und auch nicht in ihrer ursprünglichen Reinheit und Klarheit enthalten. In dem, was ihr Neues Testament nennt, sind manche wichtigen Abschnitte weggelassen. Ja, ganze Kapitel wurden daraus entfernt. Was ihr noch besitzt, sind verstümmelte Abschriften. Die Originale sind euch unbekannt, so daß die Verstümmlungen des Urtextes nicht aufgedeckt werden können. Die dieses getan haben, sind von Gott schwer bestraft worden.

Wenn ihr den vollständigen und unverfälschten Text der Lehre Christ hättet, würde euch so manche Last von den Schultern genommen sein, die Euch von Menschen im Namen der Religion und des Christentums aufgebürdet wurde. Manche Lehre, die man euch zu glauben zumutet, obschon sie eurem Verstande unmöglich erscheint, würde in Wegfall kommen, weil sie als unrichtig erkannt würde, und ihr könntet aufatmen als freie Kinder Gottes.

So aber fühlen Millionen Menschen, daß vieles von dem, was heute das Christentum lehrt, nicht richtig sein kann. Aus Gewohnheit behalten sie es zwar äußerlich bei. Aber eine innere Wirkung hat es nicht. Denn das lebendige Fürwahrhalten fehlt. Viele behalten das heutige Christentum aber nicht einmal äußerlich bei. Anstatt nur das Unrichtige daran abzuwerfen, schütteln sie das ganzeChristentum samt dem Gottesglauben ab, weil sie meinen, das hänge alles zusammen. Und das ist schlimm. – Doch wird die Zeit kommen, wo die Lehre Christi in ihrer vollen Reinheit und Wahrheit der Menschheit wiedergegeben wird. Auf welche Weise das geschieht, braucht ihr jetzt noch nicht zu wissen.“

Nach weiteren längeren Ausführungen bestellte das Geistwesen durch den Mund des medialen Jungen Johannes Greber für den nächsten Abend zu einer weiteren Aussprache, dann aber nur unter vier Augen.

Nach einer ziemlich schlaflosen Nacht ging Greber am nächsten Abend erneut in die Wohnung, in der er am Vortag war. Um 19.30 Uhr fiel der mediale Junge wieder in Trance, und das eingetretene Geistwesen begrüßte Johannes Greber mit großer Freundlichkeit. Es sagte (1, S. 22):

„Nun sprich dich ganz offen und vertrauensvoll bei mir aus, denn ich weiß, daß seit gestern in deinem Inneren alles drunter und drüber geht, und du dich nicht mehr zurechtfindest.“

Greber erwiderte mit vor innerer Erregung bebender Stimme:

„Meine Gedanken wirbeln durcheinander. Ich weiß nicht, was ich von allem halten soll. Ich bitte dich, belehre mich über alles, und sage mir vor allem, wer du bist und wie es möglich ist, daß du durch diesen Jungen redest.“

Die Antwort lautete:

„Du hast recht, daß du mich zunächst fragst, wer ich bin. Denn ihr sollt die Geister, die zu euch reden, vor allem prüfen, ob sie von Gott sind, damit ihr nicht die Opfer böser Geister werdet, die euch lieblich und geistig zugrunde richten, euch nicht die Wahrheit sagen, sondern die Lüge, und dadurch euren Lebensweg zum Abgrund führen. – Ich schwöre es dir bei Gott, daß ich ein guter Geist Gottes bin, und zwar einer der höchsten. Meinen Namen behalte für dich!“

Nun nannte er seinen Namen.

„Ich bin es, der dich hierher geführt hat. Ich will dich im Auftrage Gottes lehren, und du hinwiederum lehre deine Mitmenschen!“

Im Verlauf der weiteren Unterhaltung wurde Greber aufgefordert, jeden Sonntagabend um 20.00 Uhr wieder in die Wohnung in Koblenz zu kommen, um weitere Belehrungen zu erhalten, und außerdem in seiner Gemeinde in Kell ebenfalls einen medialen Entwicklungskreis zu bilden. Abschließend sagte das Geistwesen zu ihm (1, S.25):

„Für heute mögen diese allgemeinen Belehrungen genügen. Über die Einzelheiten des Verkehrs wirst du im Laufe der Zeit genauer unterrichtet werden, wenn du willens bist, dich belehren zu lassen und die Aufgabe zu übernehmen, die dir zugedacht ist. Gezwungen wirst du nicht. Du hast deinen freien Willen. Du kannst das Dargebotene annehmen und der Wahrheit Zeugnis geben – oder es ablehnen und deinen bisherigen Weg weitergehen. Bist du bereit, es anzunehmen, so wirst du wohl große irdische Opfer zu bringen haben. Du wirst Verfolgung leiden müssen um des Rechten und der Wahrheit willen. Aber den Frieden wirst du finden. – Lehnst du aber das dargebotene Gottesgeschenk ab, so hast du dafür die Verantwortung zu tragen. Entscheide selbst! So – oder so.“

Die weiteren Belehrungen, die Greber im Verlauf der nächsten Monate und Jahre erhielt, ergaben ein umfassendes Bild über Gott, seine Persönlichkeit, seine Schöpfung und ihr Schicksal. Darüber möge man in Grebers Buch (1) ab Seite 255 nachlesen oder den weiteren Veröffentlichungen auf den nächsten Seiten folgen.

Auftragsgemäß bildete Greber in Kell einen gleichartigen Kreis, wie er ihn in Koblenz angetroffen hatte, und veranstaltete mit ihm regelmäßige Zusammenkünfte. Unter seinen Augen wurde dabei im Verlauf einiger Wochen ein junges Brüderpaar namens Gasber zu Medien ausgebildet, Heinrich Gasber zu einem Volltrance- und Sprechmedium und Carl Gasber zu einem Inspiration- und Schreibmedium. Über das Medium Erich Zimmermann in Koblenz wurde Greber von der hohen Wesenheit belehrt

„Du hast dort (in Kell) augenblicklich zwei Arten von ‚Medien‘, die in der Ausbildung begriffen sind und an denen von seiten der Geisterwelt gearbeitet wird. Das eine ist ein sogenanntes ‚Inspirationsmedium‘. Ihm werden von einem Geist bestimmte Gedanken mit einer solchen Kraft eingegeben, daß die eigenen Gedanken des Mediums verdrängt werden und es ganz unter der Gewalt jenes Geistes steht. Von ihm empfängt es nicht bloß die Gedanken, sondern wird von ihm auch gezwungen, sie entweder auszusprechen oder niederzuschreiben. Dabei behält das Medium sein volles Bewußtsein. – Dein Inspirationsmedium muß noch weiter ausgebildet werden, damit seine Aufnahmefähigkeit für die Eingebungen der Geisterwelt vervollkommnet wird. Es muß noch manches, was als Hemmnis im Wege steht, aus ihm hinausgeschafft werden. Was das ist, verstehst du jetzt noch nicht. Aber später wird es dir klar werden.

Das andere Medium, das noch nicht weiter in Tätigkeit getreten ist, befindet sich im ersten Stadium der Ausbildung. Es ist der Junge, der seinen Kopf bei der letzten Sitzung nicht ruhighalten konnte und dadurch ängstlich wurde. Er wird ein ‚Sprechmedium‘. Der eigene Geist wird aus seinem Körper verdrängt, und ein fremder Geist nimmt von ihm Besitz und spricht durch ihn. Man nennt diesen Zustand ‚Trance‘. Er hat eine Menge Abstufungen, je nachdem der Geist des Mediums nur teilweise oder vollständig von seinem Körper getrennt ist.“

Über die weitere Entwicklung berichtet Greber mit eigenen Worten

„Der Junge (Carl Gasber) hatte weder die Absicht zu schreiben, noch hatte er die erforderliche Schulung oder die angeborene Begabung dazu. Ganz unerwartet fühlte er sich gedrängt, am frühen Morgen aufzustehen, um zu schreiben. Was er schrieb, wußte er vorher nicht. Die Worte und Sätze wurden ihm plötzlich eingegeben, und er fühlte sich gedrängt, diese niederzuschreiben. Was er schrieb, waren nicht seine Kenntnisse. Auch hatte er das Geschriebene nie vorher gehört oder gelesen. Es war Eingebung – Inspiration.“

Unter anderem entstanden in der Folgezeit 17 Abhandlungen in Prosa oder Gedichtform über Themen wie „Gottes Hirt und seine Herde“ oder „Die Vergeistigung der Seele“ oder „Was hat dein Erlöser für dich getan“. Alles erfolgte in gestochener deutscher Handschrift, wie sie damals von deutschen Schülern noch beherrscht und ausgeübt wurde. Veröffentlicht wurde es 1975 in dem Buch „Von Gottes Boten inspiriert“ (3).

Greber lernte in den folgenden Wochen und Monaten die verschiedenen Formen des Jenseitsverkehrs und die unterschiedlichsten Geistwesen kennen. Er berichtet darüber (1, S. 38):

„Das Auftreten der verschiedenartigen Geister und das, was sich dabei zutrug, hatte seine tiefe Bedeutung. Von den hohen Geistern empfingen wir wertvolle Unterweisungen, manchmal auch ernste Zurechtweisungen und Tadel, so daß nicht selten bei dem einen oder anderen der Teilnehmer die Tränen kamen. Mehr als einmal wurden die geheimsten Gedanken der Anwesenden offenbart, jedoch stets so, daß keiner vor den übrigen beschämt wurde.

Es ist überhaupt eine Eigentümlichkeit der guten Geisterwelt, daß sie ihren Tadel und ihre Zurechtweisungen immer in Formen kleidet, die nie verletzen, sondern mit dem Hinweis auf die Verfehlung der Menschen stets Worte des Trostes, der Ermunterung und der Liebe verbinden. Sie brechen nie das geknickte Rohr und löschen den glimmenden Docht nicht aus. Mit zarten Händen behandeln sie die Wunden an den Herzen ihrer Pflegebefohlenen.

Mahnungen und Ratschläge in einer und derselben Sache pflegen sie nicht oft zu wiederholen. Wird das, was sie sagen, nicht befolgt, so machen sie vielleicht noch das eine oder andere Mal darauf aufmerksam, dann nicht mehr oder nur in den seltensten Fällen. Gibt sich jedoch einer Mühe, den Rat oder die Mahnung auszuführen, dann kommen sie immer wieder darauf zurück und helfen ihm durch Belehrung und liebevolle Ermunterung so lange, bis er sein Ziel erreicht hat. Wenn jemand nur wirklich guten Willen zeigt, dann kennt ihre Liebe und ihr Erbarmen auch in den Fällen, wo einer immer wieder aus menschlicher Schwäche strauchelt, keine Grenze. Macht einer jedoch nicht einmal den Versuch, das auszuführen, was ihm einer dieser Gottesboten gesagt hat, und er bittet nachher in einer anderen Sache um seinen Rat, dann erfolgt gewöhnlich die Antwort: ‚Warum fragst du mich? Du tust ja doch nicht, was ich dir sage.'“

Über die Ereignisse der damaligen Zeit hat der frühere Oberlehrer Franz Kraus aus Fischbach 1987 eine Bericht mit dem Titel angefertigt: „Der Anfang der urchristlichen Gemeinde in Koblenz“. Franz Kraus hat 1963 gemäß den Durchgaben an Johannes Greber eine Gemeinschaft gegründet mit dem Namen „Urchristliche Kirche e. V.“. Diese Kirche hat er bis ins hohe Alter geleitet. Er schreibt:

„Am 5. 11. 1904 wurde bei Koblenz der Knabe Erich Zimmermann geboren. Er besaß nur eine mittelmäßige schulische Begabung. Darum schickten ihn seine Eltern nicht ins Gymnasium, sondern in die kaufmännische Lehre nach Koblenz. Aber eine merkwürdige Eigenschaft wurde diesem Knaben Erich in die Wiege gelegt. Als nämlich seine Mutter ihn schon im frühesten Kindesalter das Abendgebet nachsprechen ließ, plapperte der kleine Erich Wort für Wort das Gebet nach, und als die Mutter fertig war, setzte der Kleine das Gebet noch in einigen erstaunlichen Sätzen fort. Es klang inhaltlich so, als ob ein erwachsener, kluger Mann durch ihn gesprochen hätte.

Diese Eigenschaft Erichs bemerkten in der Schule auch sein Lehrer und sein evangelischer Pfarrer. Aber beide wußten mit diesem Phänomen nichts anzufangen. Erst als Erich in die kaufmännische Lehre nach Koblenz kam und nach einiger Zeit die Kunde von seiner unerklärlichen Eigenschaft sich langsam in seiner Nachbarschaft verbreitet hatte, erfuhr auch ein evangelisches, pietistisches Ehepaar davon. Als Pietisten wußten sie vom ‚geistgewirkten Gebet‘ in manchen ihrer Kreise. Es waren Maria Ulrich und ihr Ehemann. Frau Ulrich lernte den Lehrling Erich persönlich kennen und lud ihn zu einer Andacht am nächsten Sonntag nachmittag in ihr Haus ein.

Am besagten Tage erschienen zu der Hausandacht noch ein evangelisch-pietistisches Ehepaar und der Lehrling Erich. Nach dem normalen Andachtsablauf beteten die beiden pietistischen Ehepaare, und schließlich begann auch Erich zu beten. Schon nach etlichen eigenen Sätzen Erichs wurde das Gebet aus Erichs Mund von dem hohen, weisen Unbekannten fortgesetzt, der danach eine fundamentale Belehrung den Anwesenden gab und zum Abschluß den Herrn Ulrich anwies, seinen besten katholischen Arbeitskameraden zur nächsten Hausandacht einzuladen. Der Angewiesene erwiderte mit Sorge, daß sein Arbeitskamerad als ein sehr frommer, streng kirchlicher Katholik zu einer pietistischen Hausandacht ganz bestimmt nicht kommen würde. Da erwiderte der hohe unbekannte Geist ganz entschieden: ‚Gott übernimmt die Verantwortung für die volle Wirkung all seiner Befehle. Du hast zu gehorchen. Dein katholischer Arbeitskamerad kommt ganz sicher!‘ – Und so war es auch. Der katholische Arbeitskamerad kam mit seiner Ehefrau zur Andacht, hörte der Rede des hohen Unbekannten genau zu und wurde davon innerlich derart ergriffen, daß er zur nächsten Andacht noch ein anderes, frommes, katholisches Ehepaar mit Erfolg eingeladen hat.

Diese vier Ehepaare und Erich wurden zum Grundstein der Koblenzer urchristlichen Gemeinde. Als Leiterin fungierte Maria Ulrich.

Nun begannen aus eigenem Antrieb sowohl die Pietisten als auch die Katholiken ihre weiteren Freunde zu diesen Hausandachten derart eifrig einzuladen, daß diese Gemeinde bald auf etwa 30 Personen anwuchs. Der hohe Unbekannte sprach durch Erichs Mund bei jeder Hausandacht. Dieser hohe Geist beobachtete das Privatleben seiner Zuhörer die ganze Woche hindurch. An den Sonntagen setzte er ohne Namenserwähnung mit der genauen Kritik schonungslos ein. Er forderte von den Menschen die absolute Befolgung der Gebote Gottes. Wer trotz einer wiederholten Mahnung dieses Hochengels sich von der Sünde nicht losriß, wurde vom Hochengel zeitweilig oder ganz von der Teilnahme an den weiteren Andachten entfernt. Der Hochengel blieb bei seiner Forderung nach der sittlichen Hebung der Gemeinde derart konsequent, daß die Personenzahl bei den Andachten von etwa 30 auf zwölf bis vierzehn Personen zusammenschrumpfte. Erst jetzt war ein angenehmes Klima für die gedeihliche Fortsetzung der Arbeit gewährleistet.

Nun befahl der Hochengel dem ersten katholischen Arbeitskameraden des Herrn Ulrich, auch den katholischen Pfarrer Johannes Greber in Kell bei Andernach zu den Andachten in Koblenz einzuladen.

Der weitere Verlauf kann in dem Buch von Johannes Greber nachgelesen werden. Ich habe Frau Ulrich sowie die letzen sechs greisen Personen der Koblenzer Gemeinde und das Schreibmedium ‚Bauernjunge‘ in Kell, Carl Gasber, persönlich gekannt.“

Greber besuchte nun fortan die sonntäglichen Zusammenkünfte um jeweils 20 Uhr in Koblenz und lauschte den Kundgaben des Geistwesens, das durch Erich Zimmermann sprach, und stenographierte sie mit. Er versuchte, eine Erklärung für das Erlebte zu finden, und schreibt (1, S. 26):

„Alle natürlichen Erklärungsversuche, die ich heranzog, mußte ich immer wieder als unzulänglich preisgeben. Sie reichten nicht aus, auch nur einen geringen Teil des Erlebten verständlich zu machen.

Was mich am meisten, ich möchte sagen mit unwiderstehlicher Gewalt innerlich gefangen nahm, war die ruhige Klarheit und überzeugende Folgerichtigkeit dessen, was ich hier zum erstenmal hörte. So konnte nur die Wahrheit wirken. Dieser Wirkung vermochte ich mich nicht zu entziehen, selbst wenn ich es versucht hätte.

So vieles in der Bibel, was ich bis dahin nicht verstanden hatte, war mir jetzt klar.

Zudem stand ich erst am Anfang. Eine vollständige Belehrung über alle Zusammenhänge war mir in Aussicht gestellt. Ich brauchte nur das Dargebotene anzunehmen. Noch mehr! Ich sollte mich mit dem hier Gehörten nicht begnügen. Ich sollte auch aus einer anderen, von dieser unabhängigen Quelle schöpfen, um sicher zu gehen. Ich sollte mit einfachen, unerfahrenen Leuten vom Lande, die vom ‚Spiritualismus‘ keine Ahnung hatten, mich zu einer Art Gottesdienst nach dem Beispiel der ersten Christen zusammensetzen, fern von jeder fremden Beeinflussung -– in meiner eigenen Pfarrei.

Sollte ich das wirklich wagen? Was würden die Leute sagen? Ich merkte, wie das Gefühl der Menschenfurcht in mir hoch kam. – Würden meine eigenen Pfarrkinder mich nicht für geistesgestört halten müssen, wenn ich etwas Derartiges unternähme? – Und wenn meine geistliche Behörde davon Kunde erhielt, würde es mich nicht meine Stelle kosten?

Ein schwerer Kampf tobte in mir. Nach welcher Seite sollte ich mich entscheiden? Denn daß ich mich jetzt entscheiden müsse, fühlte ich. Nie in meinem Leben habe ich mit einer solchen Innigkeit zu Gott gebetet, wie in diesen Tagen. Endlich entschloß ich mich, die gegebenen Weisungen zu befolgen, auch unter den größten persönlichen Opfern, auch unter Verlust meiner Stellung und meiner wirtschaftlichen Existenz. – So war also die Entscheidung gefallen. Danach wurde ich innerlich vollkommen ruhig, und mit großer Zuversicht sah ich den kommenden Dingen entgegen.“

Was Greber damals nicht wußte und wissen konnte, ist, daß dieser Erich Zimmermann ihm 15 Jahre später in den USA größte Schwierigkeiten, Kummer und Herzeleid bereiten sollte. Es bewahrheitet sich auch hier, daß die Wege Gottes oft geheimnisvoll und unergründlich sind und daß die Fallstrickedes Widersachers wie Geltungsdrang und Eigenliebe manchem zum Verhängnis werden können.

An anderer Stelle äußert sich Greber in seinem Buch nochmals zu den Schwierigkeiten, die ihm und anderen Menschen die Annahme neuer Erkenntnisse aus dem Jenseits bereiten. Er schreibt (1, S. 127):

„Gegen alles, was mit dem Althergebrachten nicht übereinstimmt, pflegen wir uns ablehnend zu verhalten. Das liegt in der Natur des Menschen. Die Gewohnheit ist die stärkste Macht sowohl im Leben des einzelnen, als auch im Leben der Völker. Darum hängt der Mensch so fest an den Sitten und Gebräuchen, die er von seinen Eltern übernommen und von Jugend auf geübt hat. In verstärktem Maße gilt dies von den Dingen, die mit der Religion des Elternhauses zusammenhängen. Was Vater und Mutter dem Kinde als etwas Heiliges und Göttliches darstellt, was sie selbst als religiöse Pflicht geübt und dem Kinde als gleiche Pflicht ins Herz gelegt haben, ist nicht leicht ganz daraus zu tilgen. Und wenn sich auch die meisten im praktischen Leben nicht danach richten, so gilt es doch als etwas Altehrwürdiges, vor dem man eine gewisse Scheu empfindet und das man wenigstens äußerlich nicht ganz aufgeben möchte. Ein Begräbnis nach althergebrachter Weise der Väter möchte man immerhin noch haben, wenn man auch nicht nach dem Glauben der Väter gelebt hat. Man meint, das der Familien- und Glaubenstradition schuldig zu sein. Alle sind von Kindheit an so oft in die bunte Farbenmischung des religiösen Denkens und Empfindens des Elternhauses und der Glaubensgenossen eingetaucht worden, daß immer noch etwas davon haften bleibt, wenn sie auch noch so oft von dem Wasser eines unreligiösen Alltagslebens gewaschen wurden.

Diese Macht der Gewohnheit ist der größte Feind der Wahrheit auf allen Gebieten, besonders auf dem der Religion. Sie hält den Menschen nicht bloß ab, selbst nach der Wahrheit zu suchen, sondern treibt ihn auch instinktmäßig dazu, ohne weitere Prüfung alles von sich zu weisen, was im Gegensatz zu seiner bisherigen Meinung steht.

Dagegen gibt es bloß ein Mittel: Es ist das Selbsterleben der Wahrheit!.

Auch mir erging es ähnlich bezüglich der Wahrheiten, die in diesem Buch enthalten sind. Daß es einen Gott und eine Geisterwelt gibt, lehrte mich meine Religion. Davon war ich daher auch völlig überzeugt. Daß aber eine mit menschlichen Sinnen wahrnehmbare Verbindung mit der Geisterwelt hergestellt werden könne, das verstieß gegen die Lehre meiner Kirche. Darum hielt ich diese Annahme für Torheit.

Als ich daher eines Tages gezwungen war, Dinge zu prüfen, die angeblich Geisterkundgebungen sein sollten, war ich in meinem Inneren überzeugt, daß es mir ein leichtes sein werde, die ganze Sache als Schwindel zu entlarven. Dabei war ich mir freilich bewußt, daß eine solche Prüfung nur dann eine einwandfreie sein könne, wenn sie nach denselben wissenschaftlichen Grundsätzen vorgenommen würde, die wir auf allen Gebieten anwenden müssen, um die Wahrheit zu ermitteln. Es sind dies die Gesetze von Ursache und Wirkung. Sie sind allgemein gültig und erleiden keine Ausnahme.

Denn eine bestimmte Wirkung ohne eine entsprechende Ursache ist auf keinem Gebiet denkbar. So muß dort, wo Gedanken klar und deutlich ausgesprochen werden, auch ein Träger dieser Gedanken – ein denkendes „Ich“ sein.

Werden nun durch irgendeinen Menschen Gedanken zum Ausdruck gebracht, die er selbst nicht kennt und nie gekannt hat, spricht und schreibt er in fremden Sprachen, deren Laute er bisher nie vernommen, dann kann das eigene „Ich“ eines solchen Menschen nicht die Ursache solcher Wirkungen sein. Das gilt um so mehr, wenn dieses Sprechen oder Schreiben in einem Zustand vollständiger Bewußtlosigkeit erfolgt.

Es widerstreitet jedem gesunden Denken, daß ein vollständig Bewußtloser überhaupt einen klar durchdachten, die schwierigsten Dinge behandelnden stundenlangen Vortrag halten, die gestellten Fragen und Zwischenfragen eingehend beantworten und erläutern kann. Noch viel weniger kann ein Bewußtloser eine Sprache sprechen oder schreiben, die er nie gehört oder gelernt hat.

Hier kann nicht das eigene „Ich“ des bewußtlosen Menschen als Träger solcher Kundgebungen angenommen werden. Sondern es muß in solchen Fällen ein anderes denkendes WESEN sein, das sich des Körpers des bewußtlosen Menschen zum Sprechen und Schreiben bedient. Auch nach den Grundsätzen der exakten Wissenschaft müssen wir diese Schlußfolgerung ziehen.“


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