Text Quelle : vom Medium Peter Bernath persönlich zum Mitveröffentlichung autorisiert

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vierter Teil 10.11(1)

c.) Das dritte Sakrament der katholischen Kirche führt die Bezeichnung ‚Sakrament des Altares‘. Andere christliche Kirchen nennen es ‚Abendmahl‘. Paulus nennt es ‚Des Herrn Mahl‘. Auch daraus hat man im Laufe der Jahrhunderte etwas ganz anderes gemacht, als es nach der Absicht Christi sein sollte.

Opfermahle waren bei Juden und Heiden gottesdienstliche Gebräuche. Sie bildeten einen wesentlichen Teil ihres Gottesdienstes. Sie schlachteten an geweihter Stätte Tiere, gossen das Tierblut vor der Gottheit aus, verbrannten Teile des Opferfleisches zur Ehre der Gottheit und aßen das übrige in Form eines gemeinschaftlichen Mahles. Doch nicht bloß Tiere opferten sie, sondern auch Früchte, Brot, Öl und Wein und ähnliche Dinge. Auch davon wurde ein Teil der Gottheit zu Ehren vernichtet und der Rest bei der Opfermahlzeit verzehrt.

Was vor der Gottheit verbrannt oder ausgegossen wurde, diente, wie du weißt, zur Bereitung des Kraftstromes für die Geisterkundgebungen. Aber auch das, was von den Verehrern der Gottheit verzehrt wurde, galt als geweiht und durch die Gottheit geheiligt.

Das Essen und Trinken der Opferreste war das Sinnbild der inneren Gemeinschaft mit der Gottheit selbst. So wie die geweihten Speisen und Getränke durch Aufnahme in den Körper des Genießenden mit diesem eins wurden, so sollten die Teilnehmer an dem Opfermahl auch in Geist und Gesinnung eins werden mit der Gottheit und deren Willen vollziehen.

Diese Bedeutung hatten die Opfermahle sowohl bei den Juden als auch bei den Heiden.

Das Paschamahl der Juden am Abend vor dem Auszug aus Ägypten war das Sinnbild dafür, daß sie mit dem Gott in Gemeinschaft bleiben wollten, der sich ihnen durch Mose als Retter kundgetan hatte. Seinen Weisungen wollten sie in Zukunft gehorchen. Das Paschamahl der Israeliten war also das Sinnbild ihrer Rettung durch Gott aus der Knechtschaft Ägyptens unter der Führung des Mose als des Gesandten Gottes.

Christus war der durch Mose vorbedeutete und vorherverkündete große Gottesgesandte, der die Menschheit aus der Knechtschaft Satans, des höllischen Pharao, herausführen sollte. Am Vorabend des Tages, an dem er die Befreiung der Menschheit durch sein Sterben und seinen Sieg über die Hölle verwirklichen sollte, feierte er mit seinen Getreuen dasselbe Mahl, das einst Mose am Abend vor der Befreiung des Judenvolkes gefeiert hatte. Zweierlei wollte er ihnen mit diesem Mahl versinnbildlichen: Seinen Abschied im leiblichen Tode – und sein beständiges Vereintbleiben mit ihnen dem Geiste nach.

Als sinnbildliche Zeichen wählte er Brot und Wein.

Er nahm eine Scheibe Brot, brach sie in Stücke und reichte sie seinen Jüngern zum Genusse mit den Worten: ‚Nehmet hin und esset, das ist das Sinnbild meines Leibes, der für euch in den Tod gegeben wird. Tut dies zum Andenken an mich!‘ – So wie er jetzt die Brotscheibe in Stücke brach, so wurde am folgenden Tage sein irdischer Leib im Tode gebrochen und vom Leben getrennt.

Ebenso nahm er den Kelch mit Wein, ließ jeden daraus trinken indem er sprach: ‚Dieser Kelch ist das Sinnbild des Neuen Bundes in meinem Blute, das für euch vergossen wird. Sooft ihr ihn trinkt, denkt an mich!‘ – So wie der Wein beim Genuß aus dem Kelche floß, so floß am Sterbetag Christi sein Blut aus seinem Körper.

Aber in der Hauptsache war dieses Mahl das Sinnbild der geistigen Gemeinschaft, in der Christustrotz seiner irdischen Trennung mit seinen Getreuen bleiben wollte. So wie das unter die Jünger verteilte Brot vorher nur eine einzige Brotscheibe war und die einzelnen Schlucke Wein vorher im Kelche eine Einheit bildeten, so sollten die Jünger sowohl mit Christus als auch untereinander im Geist und in der Liebe eins sein.

Um dieses Einssein hat Christus so innig und ergreifend an diesem Abend gebetet. Sie sollten die Liebe zu ihrem Meister in ihren Herzen bewahren und dadurch mit ihm verbunden bleiben zu einem geistigen Leibe:

Christus ist das Haupt und sie die Glieder.

Daran sollten die Jünger von nun an denken, sooft sie zusammenkamen, um zum Andenken an ihn das Mahl zu wiederholen, das er als Abschiedsmahl mit ihnen gefeiert hatte. Sie sollten nicht vergessen, daß es ein Mahl der Liebe war, das ihr Herr und Meister am Abend vor seinem irdischen Scheiden mit ihnen gehalten hatte; daß nur derjenige an der Wiederholung dieses Mahles teilnehmen darf, der durch das Band der Liebe mit Gott und den Menschen verbunden ist.

Wer diese Liebe nicht im Herzen trägt, kann nicht das Gedächtnismahl der Liebe empfangen.

Wer beim Empfang dieses Mahles Haß, Feindschaft, Groll, Neid und sonstige Sünden gegen die Nächstenliebe in seinem Inneren hegt, würde dadurch die größte Heuchelei begehen. Es wäre dieschwerste Beleidigung dessen, der dieses Mahl als Gedächtnis der Liebe eingesetzt hat. Darum hat ein jeder, der dieses Mahl der Liebe empfangen will, sich vorher zu prüfen, ob er die Liebe zu Gott und dem Nächsten besitzt, da sonst das Mahl eine Verhöhnung Christi wäre.

Das ist die wahre Bedeutung des Abendmahls Christi und der Wiederholung dieses Mahles zum Andenken an ihn.

Und was hat man im Laufe der Jahrhunderte aus diesem Mahle gemacht?

Man hat die Lehre aufgebracht, Christus habe durch die Worte, die er bei der Überreichung des Brotes und des Kelches gesprochen hatte, das Brot in seinen wirklichen Leib und den Wein in sein wirkliches Blut verwandelt. Brot und Wein seien daher nicht bloß Sinnbilder gewesen, sondern das Brot sei zu Christi lebendigen Leib und der Wein zu seinem lebendigen Blut geworden. Zwar könne man diese Verwandlung äußerlich nicht wahrnehmen. Und diese Verwandlung finde auch heute noch jedesmal statt, sobald der Priester die Worte Christi über Brot und Wein spreche.

Es ist diese Lehre wohl das Widersinnigste, was je dem Menschengeiste zu glauben zugemutet worden ist.

Nach dieser Lehre wäre also beim letzten Abendmahle im Saale zu Jerusalem die Person Christi in ein und demselben Augenblick dreiundzwanzigmal anwesend gewesen. Sie saß in menschlicher Gestalt vor den Aposteln; jedes Stück Brot, das die elf Jünger aßen, war dieselbe lebendige Person Christi und jeder Schluck Wein, den die elf tranken, war wiederum Christus mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut.

Es ist unbegreiflich, wie Menschen einen solchen Wahn aufbringen können! Kein Mensch und kein Geist kann sich selbst vervielfältigen. Auch Gott nicht.

Niemand – auch Gott nicht – kann als Persönlichkeit gleichzeitig an mehreren Orten sein. Niemand kann sich in etwas anderes verwandeln und gleichzeitig das bleiben, was er ist. Christus konnte nicht vor seinen Aposteln als Mensch sitzen und gleichzeitig von ihnen in der Form des Brotes und des Weines genossen werden. Christus konnte sich nicht selbst essen. Denn da Christus auch selbst von dem Brote aß, das er seinen Jüngern darreichte, so verzehrte er sich nach eurer Lehre selbst.

Ich finde keinen Ausdruck in eurer Sprache, um diese Lehre als Ausfluß höchster menschlicher Verblendung zu brandmarken.

Dazu lehrt ihr, daß die Priester täglich diese Verwandlung von neuem vornehmen. Wenn sie über Brot und Wein die Worte sprechen: ‚Dies ist mein Leib – dies ist mein Blut!‘, sollen alle Brotteile und Weintropfen in die Person Christi verwandelt werden.

Eure Priester nehmen damit eine Macht für sich in Anspruch, die selbst Gott nicht hat, weil auch er das in sich Unmögliche nicht möglich machen kann.

Ihr möget noch sooft beteuern, das sei ein unbegreifliches Geheimnis und möget es das Geheimnis des Glaubens nennen, das ändert an der Unwahrheit dieser Lehre nichts.

Mit dem Worte ‚Geheimnis‘ kann man jeden menschlichen Wahn verdecken. Worte findet man immer, auch wenn man sich unter den Worten nichts Vernünftiges denken kann.

Über eins muß ich mich bei dieser Lehre besonders wundern: Ihr leset doch die Bibel. Ist euch dabei denn nicht aufgefallen, daß in dem ganzen Neuen Testament auch nicht die geringste Spureurer widersinnigen Lehre enthalten ist? Wenn bei dem Abendmahl des Herrn Brot und Wein in den wahrhaftigen Christus verwandelt worden wäre, dann würden die Apostel nicht müde geworden sein, auf dieses unbegreifliche Geschehen immer wieder hinzuweisen. Sowohl die Evangelien hätten über dieses Wunder aller Wunder ausführlich berichtet, als auch die Apostel hätten in ihren Briefen die ersten Christen immer wieder auf dieses Gedächtnismahl hinweisen müssen.

Aber nirgends wird etwas davon erwähnt.

Der Apostel Johannes, der beim Abendmahl an der Seite seines Meisters ruhte und als erster von ihm einen Bissen jenes gesegneten Brotes empfing, erzählt in seinem Evangelium überhaupt nichts von der Darreichung des Brotes und Weines durch Christus. Er erzählt die Fußwaschung. Er erzählt den Verrat des Judas. Und er sollte über dieses unbegreiflichste und gewaltigste Geschehen im Leben Jesu geschwiegen haben?

Die Apostel erwähnen in ihren Briefen nichts vom Abendmahl. Die Apostelgeschichte teilt bloß mit, daß die ersten Christen an der Lehre der Apostel, an der Gemeinschaft, am Brotbrechen und am Gebet festhielten. Also hier wird die Feier des Abendmahls als ein ‚Brotbrechen‘ erwähnt und nicht als das, was ihr heute daraus gemacht habt. Sie brachen das Brot als Sinnbild des Todes Christi und der Liebe, die sie in der Gemeinschaft miteinander und mit Christus bestätigten. Es war Brot, was sie brachen und aßen. Aber bei dem Genuß dieses Brotes waren sie mit ihren Gedanken und Gebeten bei dem, der ihnen verheißen hatte: ‚Wo auch nur zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.‘ Der Genuß des Brotes und des Weines war für sie ein heiliges Sinnbildihrer geistigen Vereinigung mit ihrem Erlöser.

Der Apostel Paulus, der eine große Anzahl von Briefen an die Gemeinden geschrieben hat, ist der einzige, der in seinem ersten Brief an die Korinther das Abendmahl erwähnt. Aber auch er würde darüber nichts gesagt haben, wenn er nicht durch die äußeren Umstände dazu gezwungen gewesen wäre. Man hat ihm nämlich mitgeteilt, daß es in der Korinthischen Gemeinde bei der Abendmahlsfeier sehr schlimm zuging. Die ersten Christen gestalteten die Abendmahlsfeier zu einer vollständigenMahlzeit, wie dies ja auch bei dem Abendmahl Christi in Jerusalem der Fall war. Denn bevor Christus den Jüngern Brot und Wein zum Gedächtnis reichte, hatte er mit ihnen das Opferlamm nebst allem Dazugehörigen gegessen und Wein dazu getrunken. So aßen nun auch die ersten Christen bei ihren Abendmahlsfeiern zuerst Fleischgerichte mit den verschiedensten Zutaten. Auch sie tranken dazu Wein. Und erst zum Schluß dieser Mahlzeit brachen sie Brot und tranken aus einem gemeinschaftlichen Kelch Wein zum Gedächtnis Christi.

Auch diese Christen waren schwache Menschen mit denselben Fehlern wie ihr.

Das zeigte sich leider auch bei der Abendmahlsfeier in Korinth. Sie wurde in Privathäusern abgehalten. Nun war der Eigentümer des Hauses, in dem die Feier stattfand, nicht in der Lage, die ganze Mahlzeit für alle Teilnehmer zu stellen. Denn die ersten Christen waren meist arme Leute. Darum mußte sich jeder sein Essen und seinen Wein für die gewöhnliche Mahlzeit, die der Abendmahlsfeier vorausging, selbst mitbringen. Nun kam es vor, daß die Armen nur ein kärgliches Essen bei sich hatten oder überhaupt nichts aßen, sondern sich bloß am Schluß an der eigentlichen Abendmahlsfeier beteiligten. Dabei mußten sie oft zusehen, wie die Bessergestellten ihr reichliches Mahl verzehrten und Wein dazu tranken und bisweilen im Weingenuß die Grenzen des Erlaubten überschritten und sich betranken. Solche Zustände konnten natürlich nicht geduldet werden; nicht bloß deswegen, weil die dabeisitzenden Armen Anstoß daran nahmen, sondern vor allem, weil sie mit dem Geist der Abendmahlsfeier unvereinbar waren.

Als daher Paulus gehört hatte, daß Vorfälle dieser Art in der Gemeinde zu Korinth sich ereigneten, griff er ein und machte den Korinthern darüber scharfe Vorhaltungen. Dabei mußte er notgedrungen auch über den eigentlichen Sinn des Abendmahls zu ihnen sprechen. Zunächst tadelte er sie wegen der Vorkommnisse bei der Abendmahlsfeier:

1. Korinther 11, 17 – 22: ‚Wenn ihr an demselben Ort zusammenkommt, so heiße ich das, was ihr tut, nicht das Herrenmahl feiern. Denn ein jeder nimmt zuvor seine eigene Mahlzeit zu sich; und dabei leidet der eine Hunger und der andere betrinkt sich. Habt ihr denn nicht eure eigenen Häuser, wo ihr essen und trinken könnt? Oder meint ihr, ihr brauchtet keine Rücksicht zu nehmen auf die Gemeinde Gottes und ihr dürftet die Unbemittelten beschämen? Was soll ich zu solchen Dingen sagen? Soll ich euch etwa loben? In diesem Punkte gewiß nicht.‘

Und nun weist er sie auf die Bedeutung des Abendmahls hin. Er brauchte ihnen nicht viel darüber zu erklären. Denn er hatte sie schon früher mündlich darüber belehrt. Er führte ihnen die von Christus beim ersten Abendmahl gesprochenen Worte an und faßte ihre Bedeutung in den Worten zusammen: ‚Sooft ihr das Brot esset und den Kelch trinket, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.‘

Das Abendmahl ist also ein Essen des Brotes und ein Trinken des Kelches als Sinnbild des Todes Christi, der aus Liebe zu den gefallenen Geistern sein Leben hingab.

Wer daher bei einer Feier zum Gedächtnis Christi die Sinnbilder des Leibes und Blutes des Erlösers in einer so unwürdigen Weise behandelt, wie dies manche Christen in Korinth taten, der versündigt sich nicht bloß an diesen Sinnbildern, sondern an Christus selbst. Denn wer die Feier zu Ehren eines Herrschers schändet, der verunehrt den Herrscher selbst und wird wegen Majestätsbeleidigung bestraft. ‚Wer daher in unwürdiger Weise das Brot ißt und den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leibe und Blute des Herrn.‘

Darum soll niemand Brot und Wein als Sinnbild des Leibes und des Blutes Christi genießen, der nicht vorher bei sich festgestellt hat, ob seine Gesinnung der Gesinnung des Erlösers ähnlich ist. ‚Jedermann prüfe sich also selbst und esse dann erst von dem Brote und trinke aus dem Kelche; denn wer da ißt und trinkt, der zieht sich selbst durch sein Essen und Trinken ein göttliches Strafgericht zu, wenn er den Leib des Herrn nicht gebührend würdigt.‘

Wer Brot und Wein als Sinnbilder der größten und heiligsten Liebestat der Schöpfung als etwas Gleichgültiges und Gewöhnliches behandelt, sie in Trunkenheit und unter anderen Ärgernissen erregenden Begleitumständen genießt, der muß von Gott bestraft werden. Denn nicht einmal ihr Menschen laßt es euch gefallen, daß jemand ein Andenken, das ihr ihm gabet, in entehrender Weisebehandelt.


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