Text Quelle : vom Medium Peter Bernath persönlich zum Mitveröffentlichung

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Zweiter Teil : 2.2 

“ Den Weg der Wahrheit habe ich erwählt,  deine Verordnungen mir vor Augen gestellt. “ 

Ps. 119, 30

Nach einer ziemlich schlaflosen Nacht suchte ich während des folgenden Tages durch angestrengte Arbeit auf dem Büro des Hilfsbundes die mich quälenden Gedanken loszuwerden.

Am Abend war ich kurz vor 19.30 Uhr wieder in der Wohnung, in der gestern die Sitzung stattgefunden hatte. Zu meiner großen Überraschung war auch der Junge schon anwesend. Er erzählte mir, daß nachmittags um 16.00 Uhr sein Arbeitgeber gekommen sei mit der Eröffnung, er habe es sich anders überlegt, und die Arbeit, die heute abend durch Überstunden fertiggestellt werden sollte, verschriebe er auf den anderen Morgen.

Ich war mit dem Jungen allein. Als die Uhr 19.30 schlug, fiel er in derselben Weise wie tags zuvor in den mir unerklärlichen Zustand, grüßte wiederum mit dem Gruß „Grüß Gott!“, reichte mir die Hand und sagte:

„Ich freue mich, daß du hier geblieben bist. Denn ich habe dir vieles zu sagen. Zunächst aber muß ich noch den letzten Punkt meines gestrigen Vortrages zu Ende führen. Ich hatte dir ja gesagt, daß ich darüber nur sprechen wolle, wenn wir beide allein wären.“

Und nun begann er, ein Bild des Lebenswandels eines großen Teiles der Geistlichkeit zu entwerfen. Erschüttert und schmerzlich bewegt, hörte ich zu.

Dann aber sagte er mit großer Freundlichkeit zu mir: „Nun sprich dich ganz offen und vertrauensvoll bei mir aus. Denn ich weiß, daß seit gestern in deinem Inneren alles drunter und drüber geht und du dich nicht mehr zurechtfindest.“

Mit vor innerer Erregung bebender Stimme erwiderte ich: „Du hast Recht. Meine Gedanken wirbeln durcheinander. Ich weiß nicht, was ich von alledem halten soll. Ich bitte dich, belehre mich über alles und sage mir vor allem, wer du bist und wie es möglich ist, daß du durch diesen Jungen redest.“

„Du hast Recht, daß du mich zunächst fragst, wer ich bin. Denn ihr sollt die Geister, die zu euch reden, vor allem prüfen, ob sie von Gott sind, damit ihr nicht die Opfer böser Geister werdet, die euch leiblich und geistig zugrunde richten, euch nicht die Wahrheit sagen, sondern die Lüge, und dadurch euren Lebensweg zum Abgrund führen. –

Ich schwöre es dir bei Gott, daß ich ein guter Geist Gottes bin, und zwar einer der höchsten. Meinen Namen behalte für dich!“

Nun nannte er seinen Namen.

„Ich bin es, der dich hierher geführt hat. Ich will dich im Auftrage Gottes lehren, und du hinwiederum lehre deine Mitmenschen!“

Ich wußte nicht, wie mir war und wie mir geschah.

„Jetzt will ich beginnen“, fuhr er fort, „dich über das zu belehren, was hier vor sich geht. – Du meinst wohl, es sei etwas ganz Neues und Unerhörtes, was du hier wahrnimmst. Es ist dies so alt wie die Menschheit. Von den Tagen der ersten Menschen bis heute ist die Geisterwelt mit den Menschen in Verbindung getreten. Die gute Geisterwelt und freilich auch die böse. Du hast doch in den alten Urkunden, die ihr Altes Testament nennt, oft genug gelesen, daß Gott zu den Menschen gesprochen hat. Gott sprach zu Adam, zu Kain, zu Abraham, Isaak, Jakob, zu Moses und vielen anderen. Wie denkst du dir das? Gott ist doch ein Geist. Ein Geist hat aber nicht einen materiellen Mund und materielle Stimmbänder, daß er nach Art der Menschen reden könnte. Wie also sprach Gott zu diesen Menschen?“

„Ich weiß es nicht“, war meine kurze Antwort.

„Und wie erklärst du dir das Erscheinen der drei Männer bei Abraham? Dieser wußte, daß es keine Menschen, sondern Boten Gottes waren. Doch gab er ihnen zu essen und verhandelte mit ihnen über die Vernichtung der Städte Sodom und Gomorrha. Wie erklärst du dir diese Vorgänge?“

Ich konnte nichts erwidern. Das alles hatte ich wohl hundertmal gelesen und den Kindern in der Schule vorgetragen. Aber wie der in der Bibel erwähnte Verkehr der Geister mit den Menschen vor sich ging und zustande kam, davon hatte ich noch nie etwas gehört und mir auch selbst noch keine Gedanken darüber gemacht.

Er fuhr fort, ein Examen über diese Dinge mit mir abzuhalten. Aber auf nichts konnte ich ihm eine richtige Antwort geben.

„Du weißt, daß ihr Menschen verschiedene Mittel habt, um denen Mitteilungen zukommen zu lassen, die von euch entfernt sind. Ihr schreibt ihnen Briefe, telefoniert oder telegrafiert ihnen, und jetzt benutzt ihr sogar die Ätherwellen im Radio. – So hat auch die durch die Materie von euch getrennte Geisterwelt verschiedene Mittel, mit euch in einer euch wahrnehmbaren Weise in Verbindung zu treten.

Aber ihr Menschen von heute denkt über diese Dinge nicht nach. Ihr leset das alles, aber es bleibt ein totes Lesen.

Nimm die gewaltige Geschichte des Mose! Da findest du, daß der ‚Engel des Herrn‘ aus dem brennenden Dornbusch redet; daß Gott Tag für Tag dem Mose Anweisungen gibt, was er tun soll; daß der ‚Engel des Herrn‘ vor dem Volke Israel in einer Wolkensäule herzieht und daraus spricht; daß Moses Gott befragt, sooft er will, und daß Gott ihm antwortet.

Aber auch das Volk konnte Gott fragen. Es ging in das Offenbarungszelt vor dem Lager, in dem Josua, der Diener des Mose, beständig anwesend sein mußte und das er deshalb nicht verlassen durfte. – Nun denke einmal darüber nach, warum wohl der junge Josua immer in dem Zelte bleiben mußte! Hing das vielleicht mit dem Befragen Gottes zusammen?“

Da schoß mir blitzartig die Antwort durch meine Gedanken, und ich sagte hastig: „Das war wohl mit dem Josua so, wie es hier mit diesem Jungen ist? Wie du den Körper dieses Jungen benutzt, um mit mir zu reden, so bediente sich damals die Geisterwelt des Josua?“

„Du hast es richtig erkannt“, sagte er. „Nur mußt du dir merken, daß es in den seltensten Fällen Gott selbst war, wenn es in der Bibel heißt: ‚Gott sprach!‘ Denn:

Gott spricht in der Regel durch seine Geisterboten.

Auch sollst du nicht meinen, daß die Geisterwelt sich stets eines Menschen bedient, wenn sie zu euch sprechen will. Es gibt viele Mittel für die Geister, sich euch verständlich zu machen.

So findest du, daß Gott durch die ‚Wolkensäule‘ sprach. In sehr vielen Fällen wurde der Verkehr mit den Geistern durch die Gabe des ‚Hellsehens‘ und ‚Hellhörens‘ einzelner Menschen für diese ermöglicht. Das Sprechen Gottes mit Adam und Eva und auch manchen der späteren Zeit vollzog sichauf dem Wege des Hellhörens.

Dann gab es noch ein Mittel, dessen man sich bei den Israeliten oft bediente, um Gott zu fragen. Es war das ‚Brustschild‘ auf dem Kleid des Hohenpriesters, das darum auch den Namen ‚Orakelschild‘ führte. Über den genauen Hergang bei dieser Art der Befragung Gottes werde ich dich später eingehend belehren.

Aber nicht bloß im Alten Testament fand dieser Geisterverkehr statt, sondern in ebenso ausgedehntem Maße im Neuen Testament. Alle Evangelien und besonders die Apostelgeschichte enthalten eine große Anzahl von Berichten über Geisterkundgebungen. – Christus selbst hatte es ja allen, die gläubig würden, fest verheißen, daß er ihnen die Geister Gottes senden werde.

Die Vorgänge bei den gottesdienstlichen Versammlungen der ersten Christen, die ihr euch heute nicht mehr erklären könnt, waren nichts anderes als ein Kommen und Gehen der Geisterwelt.

Sie redete durch den einen der Versammelten in einer fremden Sprache, durch einen anderen in derMuttersprache der Anwesenden, einem Dritten gab sie die Kraft, Kranke zu heilen und wieder anderen erteilte sie andere Gaben, je nachdem sich die einzelnen für die betreffenden Gaben als Werkzeuge in der Hand der Geisterwelt eigneten. Das war damals etwas Alltägliches und wurde als etwas Selbstverständliches betrachtet.

Dieser Geisterverkehr hat nicht etwa mit der ersten christlichen Zeit aufgehört, wie man euch von seiten der ‚Kirchen‘ darzutun sucht. Vielmehr soll und wird er zu allen Zeiten bestehen. Denn es ist der einzige Weg, auf dem ihr die Wahrheit erlangen könnt.

Das hängt allerdings von den Menschen ab, ob sie mit den Geistern Gottes in Verbindung kommen oder nicht. Auch im Alten Bund gab es Zeiten, in denen der Verkehr der guten Geisterwelt mit den Menschen fast ganz aufhörte. Es waren die Zeiten der Gottentfremdung.

Auch heute sind die Menschen trotz der vielen Gotteshäuser, die ihr baut, zu einem sehr großen Teil von Gott abgekommen und dem Bösen verfallen. Wenn die heutige Menschheit ihrem Gott innerlich wieder so nahe kommt, wie dies in manchen Zeiten des Alten Bundes und in der ersten christlichen Zeit der Fall war, so werden sich alle die euch so wunderbar erscheinenden Dinge wieder ereignen, die euch aus jenen Zeiten berichtet sind. Denn es ist derselbe Gott, damals wie heute. Er hat seine Geschöpfe heute genauso lieb wie damals, und er kennt kein Ansehen der Person.

Für heute mögen diese allgemeinen Belehrungen genügen. Über die Einzelheiten des Verkehrs der Geister mit euch Menschen wirst du im Laufe der Zeit genauer unterrichtet werden, wenn du willens bist, dich belehren zu lassen und die Aufgabe zu übernehmen, die dir zugedacht ist. Gezwungen wirst du nicht. Du hast deinen freien Willen. Du kannst das Dargebotene annehmen und der Wahrheit Zeugnis geben -–oder es ablehnen und deinen bisherigen Weg weitergehen. Bist du bereit, es anzunehmen, so wirst du wohl große irdische Opfer zu bringen haben. Du wirst Verfolgung leiden müssen um des Rechten und der Wahrheit willen. Aber den Frieden wirst du finden. – Lehnst du aber das dargebotene Gottesgeschenk ab, so hast du dafür die Verantwortung zu tragen. Entscheide selbst! So – oder so.

Du sollst nicht blindlings alles hinnehmen, sondern prüfen sollst du, ob es die Wahrheit ist oder ob dir ein Gaukelspiel des Bösen vorgemacht wird.

Du sollst dich nicht mit dem zufrieden geben, was du von mir hörst. Du sollst auch durch eigene Anschauung auf diesem Gebiet Erfahrungen sammeln, unabhängig von dem, was dir hier entgegentritt.

Deshalb möchte ich dich zum Schluß bitten: Suche dir in deiner Landpfarre einige Personen aus, die von derartigen Dingen noch nichts wissen. Halte mit ihnen zu einer gelegenen Stunde wöchentlich die eine oder andere Zusammenkunft unter Gebet und Schrifterklärung, so wie es bei den ersten Christen Sitte war. Und dann gib auf alles genau acht, was sich dabei ereignen wird. So wirst du Gelegenheit haben, das dort Erlebte mit dem zu vergleichen, was du hier siehst und hörst.

Daneben richte es so ein, daß du jeden Sonntag abend 20.00 Uhr hier in diesem Kreise bist, damit ich mit meinen Belehrungen fortfahren kann.“

„Ich bin gern bereit“, sagte ich, „sonntags hierher zu kommen, sooft es mir möglich sein wird. Doch kann ich mich nicht dazu entschließen, droben in meiner Landpfarre aus diesen einfachen Bauersleuten einige Personen für eine solche Zusammenkunft auszuwählen. Das würde in dem kleinen Dorfe ein ungeheureres Aufsehen erregen, dessen Folgen nicht abzusehen wären. Zudem wüßte ich auch nicht, wen ich dazu nehmen könnte.“

„Wenn du dich nur dazu entschließen wolltest, dann würde alles andere schon gefügt werden“, entgegnete er auf meine Einwendungen. „Du mußt es nicht. Alles unterliegt deiner freien Willensentscheidung. Aber ich möchte dir doch dazu raten.“ – „Und nun will ich schließen.“

Die Hände wie tags zuvor, zum Segen erhebend, sprach er die Worte:

„Gott möge dich behüten! Er möge dir Kraft geben, seinen Willen auszuführen! Amen. – Grüß Gott!“

Dann sank der Junge wieder vornüber und kam nach wenigen Augenblicken zu sich. Von allem, was sich zugetragen, wußte er nichts.

Alle natürlichen Erklärungsversuche, die ich heranzog, mußte ich immer wieder als unzulänglich preisgeben. Sie reichten nicht aus, auch nur einen geringen Teil des Erlebten verständlich zu machen.

Was mich am meisten, ich möchte sagen mit unwiderstehlicher Gewalt innerlich gefangen nahm, wardie ruhige Klarheit und überzeugende Folgerichtigkeit dessen, was ich hier zum erstenmal hörte. So konnte nur die Wahrheit wirken. Dieser Wirkung vermochte ich mich nicht zu entziehen, selbst wenn ich es versucht hätte.

So vieles in der Bibel, was ich bis dahin nicht verstanden hatte, war mir jetzt klar.

Zudem stand ich erst am Anfang. Eine vollständige Belehrung über alle Zusammenhänge war mir in Aussicht gestellt. Ich brauchte nur das Dargebotene anzunehmen. Noch mehr! Ich sollte mich mit dem hier Gehörten nicht begnügen. Ich sollte auch aus einer anderen, von dieser unabhängigenQuelle schöpfen, um sicher zu gehen. Ich sollte mit einfachen, unerfahrenen Leuten vom Lande, die vom „Spiritismus“ keine Ahnung hatten, mich zu einer Art Gottesdienst nach dem Beispiel der ersten Christen zusammensetzen, fern von jeder fremden Beeinflussung – in meiner eigenen Pfarrei.

Sollte ich das wirklich wagen?

Was würden die Leute sagen?

Ich merkte, wie das Gefühl der Menschenfurcht in mir hoch kam. – Würden meine eigenen Pfarrkinder mich nicht für geistesgestört halten müssen, wenn ich etwas Derartiges unternähme? – Und wenn meine geistliche Behörde davon Kunde erhielt, würde es mich nicht meine Stelle kosten?

Ein schwerer Kampf tobte in mir.

Nach welcher Seite sollte ich mich entscheiden? Denn daß ich mich jetzt entscheiden müsse, fühlte ich.

Nie in meinem Leben habe ich mit einer solchen Innigkeit zu Gott gebetet, wie in diesen Tagen.

Endlich entschloß ich mich, die gegebenen Weisungen zu befolgen, auch unter den größten persönlichen Opfern, auch unter Verlust meiner Stellung und meiner wirtschaftlichen Existenz.

So war also die Entscheidung gefallen.

Danach wurde ich innerlich vollkommen ruhig, und mit großer Zuversicht sah ich den kommenden Dingen entgegen.


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